BRIEF_KASTEN
Was das Älterwerden betrifft, hatte ich mir als junger Mensch doch ein paar Hoffnungen gemacht. Ich hätte etwa ganz gern möglichst langes, volles Haar und keine Darmspiegelung gehabt. Mindestens bis zum Pensionsalter.
In Wirklichkeit sind meine Haare lange vor dem Vierziger schütter geworden und meine erste Koloskopie war auch vor ein paar Tagen fällig, weil es der Internist so empfohlen hat. Mit den fehlenden Haaren habe ich länger gehadert als mit der Darmspiegelung, deren größter Vorteil ist, dass man die eigentliche Untersuchung dank „Schlafspritze“ nicht mitbekommt und sie schnell vorbei ist. Außerdem war nachher eh alles gut.
Damit es nicht fad wird, hat sich eine weitere Hoffnung als Irrglauben entpuppt. Denn seit den Teenagerjahren bin ich ziemlich kurzsichtig und habe immer fest daran geglaubt, was ich damals in einem Waschblattl las: Die Altersweitsichtigkeit würde angeblich die Kurzsichtigkeit ausgleichen.
Nur deswegen habe ich mich als 17-Jähriger sogar auf den Vierziger mitsamt der angekündigten Weitsichtigkeit gefreut. Aber klar, mein Augenarzt kannte die bittere Wahrheit. Ich werde in einem Jahr eine Gleitsichtbrille brauchen, Altersweitsichtigkeit gleicht nämlich gar nix aus. Ein bisschen habe ich schon geschluckt.
Aber in Momenten wie diesen, wo ich mit zusammengekniffenen Augen vor dem Bildschirm sitze, freue ich mich fast schon auf die neue Brille.
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