BRIEF_KASTEN
Wir schaffen den großen Frieden nicht, bemühen wir uns also, wenigstens im Kleinen für Frieden zu sorgen – dort, wo man selbst die Möglichkeit hat. So denken friedfertig Gesinnte, die sich angesichts der großen weltpolitischen Spannungsfelder für machtlos halten. Also wollen sie wenigstens tun, wozu sie sich selber imstande sehen. Andere seien also schuld daran, wenn Konflikte in Kriege ausarten. Diese hätten die Macht. Allerhöchstens beten könne man um den Frieden der Welt und die Sache so Gott, dem Allmächtigen, überlassen.
Doch das ist keine wirkliche Friedfertigkeit, unfertig eigentlich. Es ist nämlich wie bei den Heidelbeeren: Auch Krieg und Willkür brauchen ganz bestimmte Bodenbedingungen – Menschen nämlich, die sich für machtlos halten und sich so nur noch um den kleinen Frieden im eigenen Hause kümmern.
Das Unmenschliche gedeiht auf dem Boden resignierter Ohnmacht und der Gleichgültigkeit, die sich aus der Mitverantwortung drückt. Diktatoren schaffen es an die Macht, wenn Menschen sich das mehrheitlich gefallen lassen; sie setzen ihre Parolen durch, wenn Menschen ihnen Gehör schenken.
Der Friede braucht Friedenswillige. Sie sind der Boden, auf dem sich entscheidet, was wächst. Es gedeiht nämlich nicht alles überall.
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