BRIEF_KASTEN
Kleidung und Haare sitzen, die Haltung sowieso. Fast ein bisschen neidisch betrachte ich die coole Clique und stimme mich auf unseren Familienurlaub ein.
Lässigsein muss in Frankreich wohl so etwas wie ein Schulfach sein. Mein Eindruck verstärkt sich in Paris noch einmal. Frankreichs Hauptstadt ist überhaupt eine tolle, einladende und gleichzeitig entspannte Weltstadt, die gelernt hat, mit den vielen Touristen zu leben.
Beschwingt von Urlaubsgefühlen lasse ich in Paris sogar mein Französisch wieder auferstehen. Gelegenheit dazu gibt es allerdings kaum: Viele Pariser können ohnehin Englisch. Fast schade um die Vokabeln aus der Schulzeit. Bis ich sie am Ende der Reise im Osten Frankreichs tatsächlich brauche.
Ich würde mir für meinen Auftritt ja die Note „Befriedigend“ geben. Die Verkäuferin in der Bäckerei ist aber anderer Meinung. Sie wechselt bald ins Englische und sagt: „I hate you.“ Okay, das stimmt nicht ganz. Nur ihr Blick sagt das.
Später am Abend – ähnliches Bild beim Kellner in der Brasserie. Ich gebe mein Französisch zum Besten, und er verdreht die Augen und stampft davon. So theatralisch, dass ich ihm gar nicht böse sein kann. Bei ihm kippt die Coolness dann doch ins Arrogante. Aber immerhin: Es ist erstaunlich unterhaltsam.
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