BRIEF_KASTEN
Babys werden gefüttert, sagt man – und kaum jemand findet etwas dabei. Sobald es mit dem Stillen vorbei ist, wird zugefüttert. Von „Essen“ ist erst die Rede, wenn ein Kind selber etwas zum Vorgang der Nahrungsaufnahme beitragen kann. Babys folgen dann nicht mehr nur ihrem Nahrungstrieb, sondern wollen über das Was und Wie mitbestimmen.
Essen ist etwas sehr spezifisch Menschliches. Wo Menschen „fressen“, gilt das als unzivilisiert. Fressen kommt den Tieren zu, sagt man. Oder sagte man. Denn mehr und mehr bekommt man zu hören, dass jemand seiner Katze oder seinem Hund zu „essen“ gibt. Tiere bloß zu „füttern“, käme ihnen – soll man sagen unmenschlich? – jedenfalls respektlos vor.
Für viele Menschen verschwimmt der Unterschied zwischen Mensch und Tier. Man dürfe Tiere nicht einfach nur „nutzen“ oder als Nahrungsreserve betrachten, sagen sie. Und sie haben recht. Der Respekt gegenüber Tieren, überhaupt gegenüber allem Lebendigen, gehört zur Grundbotschaft des biblischen Glaubens.
Für viele gerät heute jedoch auch die Gewissheit ins Wanken, dass der Mensch in der Schöpfung etwas Besonderes wäre. Man könnte auch sagen: dass Gott vom Menschen etwas Besonderes erwartet.
Vielleicht wäre dies der Weg: dass die höhere Sensibilität für Tiere einherginge mit einem höheren Gespür für Menschen. Man kann auch mit Liebe füttern, wie man es ja auch bei Babys tut.
Wären nicht auch die Tiere in einer Welt besser aufgehoben, in der sich die Menschen ihrer Besonderheit und Verantwortung bewusst wären?
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