BRIEF_KASTEN
Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe. So steht es bei Lukas in der Geschichte von Christi Geburt. Kein so schlechter Platz war es, lebten doch die meisten Familien damals unter einem Dach mit ihren Tieren. Der Stille-Nacht-Dichter Joseph Mohr malte es noch genauer aus: „Auf Heu und auf Stroh“ haben sie Jesus gebettet.
Dass die Krippe in der Heiligen Schrift Erwähnung findet, ist bemerkenswert. Wer sollte sich nach all den Jahrzehnten, bis das Evangelium geschrieben wurde, noch daran erinnern? Dass es ein einfacher Platz war, muss nicht bedeuten, dass es ein schlechter Platz gewesen wäre.
Das lässt heute an die Frage denken: Wie viel Wohlstand steht Menschen zu? In den vergangenen Wochen ist in Österreich ein ziemliches Feilschen um Löhne in Gang gewesen. Es ging keineswegs nur um die Gehälter der unteren Einkommensklassen, sondern ebenso um die der Gutverdienenden – alle mit dem Argument, dass das Leben angesichts der Teuerungen kaum mehr leistbar wäre. Werden da nicht die wirklich Notleidenden missbraucht, um für sich selbst möglichst viel herauszuholen?
Die Menschheit steht vor der großen Herausforderung, das Leben einfacher gestalten zu lernen. Doch solange die Einstellung herrscht, man müsse sich alles so leisten können wie bisher, wird es nichts mit der Rettung der Welt. Heu und Stroh geben einen Hinweis: Ihr habt euch zu sehr an das Linnen des Wohlstands gewöhnt. Wagt das einfachere Leben auf Stroh – ihr werdet darauf sogar besser schlafen.
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