BRIEF_KASTEN
„Artgerechte Tierhaltung“ – das ist ein eher junger Begriff. Immer mehr Menschen zeigen sich schockiert, wenn sie Bilder aus Massenbetrieben sehen, in denen Tiere ausschließlich als Produkte gezüchtet und vermarktet werden – wie Dachziegel oder Kugelschreiber – in der Erwartung auf den höchstmöglichen Gewinn.
Solche Industriebetriebe ruinieren jenen Bäuerinnen und Bauern die Existenzgrundlagen, denen das Wohl ihrer Tiere ein Anliegen ist.
Aber so wollen es viele Menschen nicht mehr. Von der Freiheit der Wildtiere, die sich sogar im Winter selbst versorgen, ist man ohnehin weit entfernt. Doch wenigstens „artgerecht“ sollen sie gehalten werden.
Während man im Blick auf Tiere zunehmend hellhörig wird und sich für ein Leben nach deren eigenen Art einsetzt, zeigt sich bei Menschen ein gegenteiliger Trend. Andere werden für das eigene Wohl für zuständig erklärt.
Als dumm gilt, wer sich nicht holt, was er kriegen kann – auch wenn er es gar nicht braucht. So lassen sich viele nach Haustierart füttern.
Und: Wer die Zustimmung von Menschen haben will, verspricht, ihnen den Futtertrog reichlicher zu füllen, als andere es tun.
Kaum hört man Stimmenwerber, die formulieren, was sie von den Menschen erwarten: dass sie ihre Fähigkeiten, ihr Vermögen, ihre Zeit zur Verfügung stellen.
Als Mensch „artgerecht“ zu leben bedeutet, füreinander zu leben. Die eigentlich menschliche Fähigkeit ist das Geben. Das wirkliche Glück findet sich erst im Geben und Teilen – und in der Sorge füreinander.
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