BRIEF_KASTEN
„‚Alles klar?“ Wo rundherum allen alles klar zu sein scheint, braucht es Mut, noch weiter zu fragen. Wer zu viel fragt, riskiert, für „begriffsstutzig“ gehalten zu werden. Als klug gilt, wer über möglichst vieles Antwort weiß.
Schwerhörige Menschen scheuen sich oft, nachzufragen – aus Scham. Sie wollen nicht lästig fallen. Doch dieses Leben „als ob“ man verstanden hätte, führt mehr und mehr in die Einsamkeit.
„Glaubst du?“ Das ist auch so eine Frage. Für gläubig hält man oft Menschen mit festen Gewissheiten – Leute mit fixen Antworten also. Die Überzeugung als das Kennzeichen des Glaubens? Vielleicht doch nicht so ganz? Zwischen den Frauen und Männern, die mit Jesus unterwegs waren, wurde viel gefragt – und auch von Jesus selbst. „Was halten die Leute, was hältst du von mir?“ Das ist eine typische Jesus-Frage.
Glauben heißt, mit Fragen leben. Es bedeutet, sich immer wieder neu befragen zu lassen – und selbst zu fragen. Wo Gott für Menschen nur mehr Gewissheit und nicht auch Frage ist, haben sie sich vielleicht von ihm abgewandt. Sie hören seine Fragen nicht mehr. Es wäre wie Schwerhörigkeit Gott gegenüber, die tut, als ob alles verstanden wäre. Kirche ist wohl die Gemeinsamkeit derer mit dem Mut zum Fragen. Gott fragt und will gefragt sein. Man muss sich darum nicht schämen.
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