BRIEF_KASTEN
Geboren – gestorben. Von – bis. Auf Friedhöfen begegnet man dieser knappest-möglichen Lebensbeschreibung hundertfach. Das Wesentliche ist der verbindenden Strich dazwischen: das „Bis“: Es sagt: Zu dieser Zeit hat ein Mensch gelebt. Nicht nur das Sterbedatum ist erinnerungswürdig, mehr noch das Datum des großen Lebenswunders überhaupt: dass an einem bestimmten Tag jemand das Licht des Lebens erblickte. Ein Ort des Staunens sind Friedhöfe. Immer wieder ereignet sich das Wunder. Nun weiß man auch um die Zeit, die den Geborenen zugemessen war. „Alles in allem war er ein guter Mensch.“ Wie gut, wenn man ein Leben in eine solch knappe Nachrede fassen kann.
In den herbstlichen Tagen, in denen das Leben der Verstorbenen deutlicher als sonst in den Blick rückt, wäre dies eine gute Übung – sich nämlich zu fragen: Wer – alles in allem – möchte ich einmal gewesen sein? Eine „Respektsperson“, vor der Menschen zittern? Jemand, der sich durchsetzen konnte? Ein Reicher, von dem die Bibel allerdings sagt, wie dumm dieses Schätzesammeln ist? Einer, dem am Wohl anderer gelegen ist? Geboren werden habe ich nicht selbst vollbracht, das Sterben entscheide ich auch nicht selbst. Aber das Dazwischen – das Leben – das ist mir gegeben – als meine Aufgabe, meine Möglichkeit. Alles in allem: Wer möchte ich also gewesen sein?
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