BRIEF_KASTEN
Allerheiligen kommt – und Menschen werden sich wie jedes Jahr um die Gräber ihrer Angehörigen versammeln. Ob es nun vor langer Zeit schon gewesen ist oder erst kürzlich geschah: Sie werden sich erinnern, wie traurig sie damals gewesen sind.
Eine Machtlosigkeit. Eine Wehrlosigkeit. Ein Erleiden war es. Die ganze Welt erschien wie durch Tränen verhangen. Da wird nicht einfach alles wieder gut, wie es einmal gewesen ist.
Gefasst stehen Menschen zu Allerheiligen an den Gräbern. Allmählich haben sie dann doch wieder Kraft finden können – die Kraft nämlich, das Geschenk des Lebens ganz anzunehmen – mit dem Sterben nämlich. Eine heilige Ahnung mag es sein, dass da nicht nur ein Mensch ums Leben gekommen ist, wie man sagt, sondern angekommen und heimgekommen ist.
Heuer ist ein trauriges Allerheiligen: Vielerorts zählt ein Menschenleben so wenig. Terror und Krieg, Machtstreben und Gier haben an so vielen Orten die Oberhand gewonnen.
Es wird sehr viel Traurigkeit geben auf der Welt: herbeigeführte, in Kauf genommene Traurigkeit. Ist es nicht schon schwer genug, jenes Sterben, das zum Menschsein gehört, anzunehmen? Bei Menschen aber, die das Sterben und die damit verbundene Trauer gering achten, liegt das Leben nicht in guten Händen. Bei vielen heilen die inneren Wunden nicht. Rache und Zorn reifen heran – und wer weiß, irgendwann ...
Es gibt diese Situationen, in denen man keine Antwort weiß – und in denen man sich so machtlos erfährt. Es ist wie bei der Trauer. Sie wird einem angetan.
BRIEF_KASTEN
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