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Nachkriegs-Erfahrungen

Mit sieben Jahren allein nach Portugal

Gesellschaft & Soziales

Die 81-jährige Anneliese Ziegler erzählte bei einem Erzählcafé über ihre Erfahrungen als „Portugal-Kind“ in der Nachkriegszeit.  
 

Ausgabe: 20/2023
16.05.2023
Zeitzeugin Anneliese Ziegler
Zeitzeugin Anneliese Ziegler
© Karl Riedl

Schlecht ernährt, untergewichtig, kränklich, mit einem Schatten auf der Lunge, dazu noch Halbwaise: Anneliese Ziegler, geboren 1942, erfüllte alle Voraussetzungen, um im Juni 1949 auf einem Kindertransport mit 1.000 anderen Kindern nach Portugal verschickt zu werden.

 

Beim Erzählcafé des Mauthausenkomitee Enns Anfang Mai berichtete sie von ihren Eindrücken und Erfahrungen als Siebenjährige, als sie mit einem Köfferchen und einer Erkennungskarte, ausgestellt von der Caritas in Portugal, mit Zug und Schiff auf den Weg nach Lissabon geschickt wurde, um sich ein wenig von der Not in der Nachkriegszeit zu erholen.

 

Spiegel – espelho – war ihr erstes Wort in einer unbekannten Sprache, als sie von ihrer Pflegefamilie im Hafen von Lissabon in einem Auto abgeholt wurde und der Rückspiegel als Lerngegenstand diente. „Ich konnte bald nicht mehr Deutsch, nur mehr ein paar Worte“, so Anneliese Ziegler.

 

Elf Monate verbrachte sie als Spielgefährtin für die Töchter der portugiesischen Pflegefamilie. Die Pflegefamilien waren meist begüterte und oft sehr gläubige Familien; mehr als 5.000 österreichische Kinder waren von 1947 bis 1953 in Portugal.

 

HEIMWEH NACH PORTUGAL 

 

„Nach elf Monaten in Lissabon wollte ich gar nicht weg und klammerte mich im Hafen an meine Ziehmutter Mimi“, erzählte Anneliese Ziegler.

 

Vier Tage auf dem Schiff und zwei Tage mit dem Zug dauerte die Rückreise im April 1950. „Eine für mich fremde Frau, meine Mutter, holte mich am Bahnhof in Linz ab.“

 

In der Ennser Volksschule war es für ihre Lehrerin unverständlich, dass sie die Muttersprache nicht mehr sprechen konnte, der Schulalltag gestaltete sich anfangs schwierig.

 

„Heimweh nach Portugal habe ich mein ganzes Leben gehabt“, so Anneliese Ziegler. 1979 reiste sie schließlich wieder nach Portugal auf der Suche nach ihrer Pflegemutter und fand sie sogar.

 

Sie war noch oft dort und hatte bis 2018 auch Kontakt mit der älteren Tochter Gracia.

 

Anneliese Ziegler trifft sich heute mit einigen der ehemaligen „Kinder von Portugal“ einmal im Monat in Pichling. „Geblieben ist eine unendliche Dankbarkeit für das schönste Jahr meiner Kindheit.“

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