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Jerusalem als Hörsaal

Gesellschaft & Soziales

Rebekka Sturmbauer zählt schon die Tage. Am 20. August 2018 beginnt ihr Studienjahr in Jerusalem. Die Grabesritter Österreichs ermöglichen ihr die Teilnahme an dem Studienprogramm bei den Benediktinern der Dormitio-Abtei.

Ausgabe: 32/2018
07.08.2018
- Josef Wallner
© Grabesritter

Die „Dormitio“ ist ein Postkartenmotiv und gehört zum Besuchsprogramm jeder Heilig-Land-Reise: die Kirche der Entschlafung Mariens am Berg Zion, knapp außerhalb der Stadtmauern Jerusalems gelegen. Deutschsprachige Benediktiner leben, beten und arbeiten in der Abtei, vor 45 Jahren haben sie ihr Kloster für junge Menschen geöffnet und ein einzigartiges Projekt geschaffen: ein ökumenisches Studienjahr. Dass katholische und evangelische Christinnen und Christen gemeinsam an derselben Einrichung studieren, ist einzigartig. 
Exakt 1.038 junge Erwachsene haben bisher am „Studienjahr“ teilgenommen, wie es kurz und bündig genannt wird, am 20. August kommen 21 weitere hinzu, unter ihnen Rebekka Sturmbauer aus Buchkirchen bei Wels. Sie hat bisher an der Katholischen Universität Linz sechs Semester Fachtheologie mit religionspädagogischer Erweiterung studiert und wechselt für acht Monate nach Jerusalem. Das wäre aber ohne die Hilfe der Grabesritter nicht möglich. 

 

Stipendium der Grabesritter

Während der Deutsche Akademische Austauschdienst den Aufenthalt für die Studentinnen und Studenten aus Deutschland seit Beginn zur Gänze finanziert, haben Jugendliche aus Österreich und der Schweiz immer schon selbst für die Finanzen aufkommen müssen. Das Ergebnis war, dass schon mehrere Jahre niemand mehr aus Österreich teilnehmen konnte. Das schmerzte natürlich den Leiter des Studienjahrs, der aus Österreich kommt. Ulrich Winkler, Theologieprofessor in Salzburg und seit drei Jahren Dekan in Jerusalem, konnte die österreichische Statthalterei der Grabesritter gewinnen, ein Stipendium für das Studienjahr zu vergeben. 

 

Vorlesung und Leben mischen sich

Die Grabesritter unterstützen mit knapp einer halben Million Euro jährlich die lateinische (römisch-katholische) Kirche im Heiligen Land mit ihren Pfarren, Schulen, Sozialzentren, Altersheimen und Heimen für verwaiste und schwerstbehinderte Kinder. Das „Studienjahrs“-Stipendium ist ein Mosaikstein, mit dem die Verbindung mit dem Heiligen Land gestärkt werden solle, begründet Andreas Leiner, als Statthalter der ranghöchste Grabesritter Österreichs, das neue Engagement des Ordens. Nach einem anspruchsvollen Auswahlverfahren wurde Rebekka Sturmbauer die Teilnahme am Studienjahr zugesprochen. Sie erwarten intensive zwei Studiensemester, natürlich mit biblischem Schwerpunkt und Archäologie, mit Ökumene sowie dem Kennenlernen von Judentum und Islam. Das Programm im Hörsaal ist das eine, das Besondere des Studienjahrs besteht aber im Leben inmitten von Jerusalem. 

 

Ort der Begegnung

Sturmbauer erzählt, dass sie der Satz des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber sehr anspreche: „Alles Leben ist Begegnung.“ Da wird sie in Jerusalem voll auf ihre Rechnung kommen. In keiner Stadt wird vermutlich so viel gebetet wie in Jersualem, aber auch in keiner wird so viel gestritten. Dekan Winkler greift als ein Beispiel für Begegungen, die auf die Studentin warten, die Stadt Jerusalem heraus: „Sie ist faszinierend, anstrengend und verstörend zugleich. An den Fragen und Konflikten, die die Stadt bewegen, kommt niemand vorbei.“ Aber darin besteht das Einzigartige des Studienjahrs. Ähnlich verhält es sich mit der Ökumene. Jerusalem bietet die Möglichkeit, mehr als zwei Dutzend unterschiedliche Kirchen und Religionen zu studieren, an Gottesdiensten teilzunehmen, miteinander zu beten und am eigenen Leib Streitfragen zu erleben, die unter die Haut gehen. „Man braucht in Jerusalem eine robuste Seele, die sich irritieren lässt und auf diesem Weg offen für Neues wird“, betont Dekan Winkler. Rebekka Sturmbauer erwartet eine ­spannende Zeit.

 

 

Bild: Die Statthalter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem für Österreich, Dr. Andreas Leiner (rechts), und Fritz Gerstorfer (links), Sekretär des Ordens, verabschieden ihre Stipendiatin Rebekka Sturmbauer. Der Dekan des Studienjahrs in Jerusalem, Prof. Dr. Ulrich Winkler (Zweiter von links), freut sich schon auf eine Studentin aus Oberösterreich. Er selbst stammt aus Alberndorf und ist an der Theologischen Fakultät der Universität Salzburg tätig. Seit drei Jahren leitet er das Studienjahr in Jerusalem. Weitere Infos unter www.studienjahr.de

 

 

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