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In der herkömmlichen Ökonomie sind Frauen ausgeblendet, sagt Katharina Mader von der Wirtschaftsuni Wien. Die „feministische Ökonomie“ hat sich zum Ziel gesetzt, das zu ändern.

Ausgabe: 24/2024
11.06.2024
- Lisa-Maria Hammerl
Katharina Mader ist Chefökonomin des Momentum-Instituts und lehrt an der Wirtschaftsuniversität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind feministische Ökonomie, Care-Ökonomie und unbezahlte Arbeit sowie Finanz- und Wirtschaftspolitik.
Katharina Mader ist Chefökonomin des Momentum-Instituts und lehrt an der Wirtschaftsuniversität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind feministische Ökonomie, Care-Ökonomie und unbezahlte Arbeit sowie Finanz- und Wirtschaftspolitik.
© © LISI SPECHT im Auftrag von AK WienNutzungsbewilligungen: Verwendung für PR, website und social media, zeitlich und räumlich uneingeschränkt

In Österreich ist unbezahlte Arbeit sehr ungleich verteilt. Das zeigen auch die neuesten Daten der Statistik Austria, die der Chefökonomin des Momentum-Instituts Katharina Mader vorliegen. Sie wird sich beim Sozialstammtisch in Linz, einer Veranstaltung unter Kooperation von Diözese Linz, ÖGB OÖ und dem Cardijn-Verein (siehe Artikelende), vor allem diesem Thema widmen.

 

Die Statistik Austria ließ Personen Tagebuch darüber führen, welchen Anteil jeweils Erwerbsarbeit, Pflegetätigkeiten, Haushalt, Schlaf usw. in ihrem Alltag haben. „Das gibt viele neue Einblicke, wie ungleich unbezahlte Arbeit immer noch verteilt ist und welch massive Auswirkungen es darauf hat, wie Frauen am Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen“, sagt Mader. Politisch werde hier oft  „einfach drübergewischt“ und gesagt, die „faulen Teilzeitfrauen“ sollen eben mehr Erwerbsarbeit machen, ohne sich die Hintergründe genau anzusehen. Das sei unfair, sagt Katharina Mader: „Die unbezahlte Arbeit, die sie oft leisten, wird weder gesehen noch wertgeschätzt.“ 

 

Wirtschaft und Frauen

 

Feministische Ökonomie – das übergeordnete Thema des Sozialstammtischs – untersucht, woher die schlechteren Bedingungen für Frauen in der Wirtschaft kommen, warum Frauen oft so viel unbezahlte Arbeit machen, welchen Einfluss die Wirtschafts- und Budgetpolitik auf sie hat und vieles mehr.

 

Kurz gesagt steht die Frage im Zentrum, wie Ökonomie Geschlechterverhältnisse beeinflusst und umgekehrt. Auch wenn feministische Ökonom:innen aus unterschiedlichen ökonomischen Schulen und feministischen Hintergründen kommen, sind sich alle in ihrem Ziel einig: Die Welt soll für Frauen verbessert werden. Die Herangehensweise unterscheidet sich jedoch, sagt Katharina Mader: „Die einen sagen, man müsse am Arbeitsmarkt beginnen, die anderen finden, es ist viel wichtiger, sich mit der unbezahlten Arbeit auseinanderzusetzen.“

 

Vielfach sichtbar

 

Feministische Ökonomie ist nichts abstraktes, sondern Teil realer Gesetzgebung. In Österreich steht etwa in der Verfassung, das Bund, Länder und Gemeinden bei der Aufstellung von Budgets dessen Wirkung auf Frauen untersuchen müssen. In Neuseeland wurde ein Indikator entwickelt, um am Budget zu messen, wie gut es den Menschen geht. In Island wiederum wurde der Gender Pay Gap (Lohngefälle zwischen den Geschlechtern) per Gesetz verboten. Und in den nordischen Ländern ist die geteilte Elternkarenz verpflichtend.

 

Dies sind nur einige Beispiele feministischer Ökonomie – dahinter steht der Anspruch, mit der Forschung „unseren Beitrag für eine bessere Welt zu leisten“. Erkenntnisse sollen „politisch und medial aufgegriffen werden“, um in der „richtigen Welt“ etwas zu erreichen.

 

Keine Privatsache

 

In Österreich sind die Rollen extrem festgefahren, der Vater ist der Ernährer, die Mutter verdient maximal dazu, sagt Mader. Ein wesentlicher Faktor für ein Aufbrechen der Rollen sei, dass „wir aufhören müssen, als wäre unbezahlte Arbeit Privatsache. Es wird so getan, als würde man sich politisch hier nicht einmischen dürfen. Man sollte das als etwas Gesellschaftspolitisches sehen und dabei etwa auf die nordischen Länder schauen, wo Gleichstellung einen größeren Wert hat als bei uns. Es geht um ein gutes Leben für alle, wenn Mütter mehr Stunden erwerbstätig sein können, während Väter deutlich mehr unbezahlte Arbeit machen und ihre Kinder aufwachsen sehen.“

 

Spielraum auch für Väter

 

Katharina Mader spricht sich deshalb auch für eine verpflichtende Väterkarenz aus, denn dies würde den Männern mehr Handlungsspielraum geben. Derzeit gibt es zwar die Möglichkeit, sich die Karenz aufzuteilen, jedoch tun dies acht von zehn Paaren nicht. Der Rest orientiert sich lediglich am Mindestmaß (zwei Monate). „Das gestehen Unternehmen den Vätern zu, aber niemand bietet an, doch vier oder fünf Monate zu machen“, kritisiert Mader. Sie will weiterhin mit ihrer Arbeit dazu beitragen, die Gleichstellung von Mann und Frau voranzutreiben: „Ich glaube daran, dass es das wert ist, weil ich mir für die Generation meiner Kinder wünsche, dass es für sie freier ist. Für meine Söhne soll es ganz normal sein, dass sie ihre Kinder betreuen können, ohne Hindernisse und Diskussionen.“ 


„Feministische Ökonomie“, 18. Juni, 15 Uhr Workshops zum Thema (Anmeldung: kabooe@dioezese-linz.at), 19 Uhr Sozialstammtisch,
Cardijn-Haus, Kapuzinerstraße 49, Linz

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