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Femizide in Österreich

Femizide: „Bei Gleichstellung ansetzen“

Gesellschaft & Soziales

Die Serie an Frauenmorden in Österreich scheint nicht abzureißen. Elf Frauen wurden in diesem Jahr bereits von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet. Frauennetzwerke wie die Katholische Frauenbewegung (kfb) und Opferschutzeinrichtungen fordern neben mehr finanziellen und personellen Ressourcen die Gleichstellung der Geschlechter.
 

Ausgabe: 19/2021
11.05.2021
- Lisa-Maria Langhofer
Für den Schutz von Frauen braucht es mehr Gleichstellung, Geld und Personal.
Für den Schutz von Frauen braucht es mehr Gleichstellung, Geld und Personal.
© ©standret - stock.adobe.com

„Ich bin entsetzt und betroffen darüber, dass manche Männer offenbar wirklich das Töten der Frau als Lösung sehen“, sagt Paula Wintereder von der kfb oö. Die Zahlen zeichnen ein erschütterndes Bild: 2021 starben bereits elf Frauen durch die Hand ihrer Partner oder Ex-Partner. „Als Frau macht mich das noch mehr betroffen“, sagt Wintereder. Auch Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer zeigt sich erschüttert: „Man kann sich nicht vorstellen, was das für die Hinterbliebenen bedeutet. Wie soll man denn einem Kind erklären, dass die Mama nicht mehr kommt, weil sie ermordet wurde?“ 

 

Mehr Geld in die Hand nehmen

Für den Anstieg an Femiziden gebe es viele Gründe, einen nennt Eva Schuh vom Gewaltschutzzentrum OÖ konkret: „Der Ursprung liegt im patriarchalen System und der Annahme, es sei legitim, dass sich der Mann mit Gewalt durchsetzt.“  „Das sind verletzte Seelen, die nicht damit zurechtkommen, wenn die Frau sie verlässt oder droht, sie zu verlassen“, sagt Paula Wintereder und ergänzt: „Ich hoffe, dass angesichts der öffentlichen Debatte mehr Geld in die Hand genommen wird und Opferschutzorganisationen mehr einbezogen werden. Denn sie sind näher dran und wissen, was die Frauen durchmachen müssen.“ 
Konkret fordern die Gewaltschutzorganisationen 228 Millionen Euro Jahresbudget und zusätzliche 3.000 Arbeitsplätze. Das von der Regierung vorgelegte Maßnahmenpaket greif für Eva Schuh zu kurz: „Es braucht mehr Täterarbeit, mehr Sensibilisierung in der Gesellschaft und bei Justiz und Polizei. Sicher sind einige Dinge, die die Bundesregierung jetzt andenkt, wichtig, aber sie sind kein Allheilmittel. Wichtig sind klare Risikoeinschätzungen, die es derzeit weder bei Exekutive noch Justiz standardisiert gibt. Man muss genauer schauen, was im Vorfeld schon passiert ist, das Umfeld befragen. Das braucht natürlich sehr viel Ressourcen.“ 

 

Gleichstellung

Im Gewaltschutzzentrum sei man alarmiert, weil es immer mehr Hochrisikofälle gebe, eine Frau also kurz davor stehe, verletzt oder getötet zu werden. Neben einem stärkeren Austausch und einer Vernetzung zwischen Opferschutzeinrichtungen und Polizei sei es laut Eva Schuh wichtig, dort anzusetzen, „wo es um die Gleichstellung von Mann und Frau geht“. Gleiches fordert auch Wintereder, die auch als ­Ehe-, Familien- und Lebensberaterin tätig ist: „Es braucht Veränderungen im Bereich Sorgekultur in Richtung eines partnerschaftlichen Umgangs. In unserer Gesellschaft sind immer noch hauptsächlich die Mütter für die Erziehung der Kinder verantwortlich, daher ist es wichtig, dass Männer hier einsteigen und Vorbilder für ihre Söhne sind. Sie müssen lernen, auf Augenhöhe zu reden, zu streiten und zu verhandeln, und das von klein auf.“ Für die kfb oö sei es außerdem sehr wichtig, Frauen zu bestärken: „Wir müssen ihnen helfen, zu erkennen, wo ihre Grenzen überschritten werden, wo sie öfter Nein sagen müssen, wo sie sich mehr wehren müssen. Und wo sie Hilfe bekommen.“ 

 

Forderungen schon lange bekannt

In Oberösterreich fordert Landesrätin Birgit Gerstorfer von der Landesregierung eine verstärkte Förderung und Finanzierung der Frauenberatungsstellen, sowie die Umsetzung und Finanzierung des im Arbeitsprogramm „Frauen.Leben – Frauenstrategie für Oberösterreich 2030“ festgelegten Ausbaus von Frauenübergangswohnungen mittels einer Sonderfinanzierung. Vom Runden Tisch zum Thema Gewalt, initiiert von Justizministerin Alma Zadi´c (Grüne) und Frauenministerin Susanne Raab (VP) unter Einbindung der Opferschutzeinrichtungen, erwartet sie sich wenig: „Ich befürchte, dass am Ende nicht viel Konkretes herauskommen wird. Die Forderungen der Gewaltschutzeinrichtungen sind bekannt und liegen ja seit langem auf dem Tisch.“ 

 

Hilfe und Beratung

In Oberösterreich sei zumindest einiges in Bewegung: Frauenhäuser und Übergangswohnungen werden ausgebaut, außerdem fördere das Sozialressort etwa das Autonome Frauenzentrum, das Gewaltschutzzentrum OÖ sowie das Beratungszentrum beziehungleben.at der Diözese Linz.  „Dort lernen die Täter beispielsweise mit einer Wegweisung umzugehen und Konflikte in Beziehungen zu meistern“, sagt Gerstorfer. Auch die kfb bietet Hilfe für Frauen, sagt Wintereder: „Zusammen mit Frauenstiftung und Sozialfonds helfen wir Frauen in Not, finanziell und mit Übergangswohnungen. Wir denken und arbeiten vernetzt und tauschen uns häufig mit den öffentlichen Einrichtungen aus.“ Das Gewaltschutzzentrum OÖ kontaktiert Opfer nach Mitteilung der Polizei bei Wegweisung und Betretungsverbot und bietet Beratung an, kostenlos und vertraulich. «

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