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Das Geheimnis der Musik liegt zwischen den Noten

Gesellschaft & Soziales

Der Münchner Markus Poschner ist seit der Saison 2017/18 neuer Chefdirigent des Bruckner-Orchesters Linz. Der Wechsel von der bayerischen auf die oberösterreichische Seite fiel ihm nicht schwer, denn er ortet viele Gemeinsamkeiten zwischen beiden Bevölkerungsgruppen. Aus der Serie "In Europa zu Hause".
 

Ausgabe: 2018/27
03.07.2018
- Judith Jandrinitsch
© oberoesterreichische nachrichten/volker weihbold

Die Liebe zur sinfonischen Musik zeichnet den 1971 in München geborenen Musiker und Dirigenten aus. Doch er kennt auch andere Traditionen: „Ich bin eigentlich auf der Orgelbank meines Vaters aufgewachsen, habe die Noten für ihn umgeblättert und die Register gezogen“, erzählt Poschner. 
Das verbindet den neuen Chefdirigenten des Bruckner-Orchesters mit dessen Namens­geber Joseph Anton Bruckner. ­Poschner ist überzeugt davon, dass Bruckner ein sehr radikaler Mensch war, denn, so meint der Chefdirigent: „Bruckner hat seinen eigenen musikalischen Zugang zu Gott gesucht, ohne Hilfe der Institution, sozusagen im persönlichen Gespräch. Er war in diesem Sinne wie ein Ketzer, so wie alle Mystiker Ketzer ­waren, die auf der Suche nach dem Geheimnis ­Gottes sind und die wissen, dass man nicht alles mit dem Verstand begreifen kann. Nur so ist zu erklären, warum er ­seinen Weg der Annäherung über die Symphonie wählte – dem weltlichen Genre schlechthin.“

 

Musik überschreitet Grenzen

Als Chefdirigent arbeitet Poschner mit 130 Musikern aus über 20 Nationen. Doch: „Musik kennt keinen Reisepass, keine Religion und keine Hautfarbe“, hält der Dirigent fest. Im Gegenteil. „Kunst ist ein öffnendes System“, weiß Poschner aus seiner täglichen Arbeit. In Linz hat sich Poschner rasch eingelebt. Eine gewisse Sturheit könne man weder Bayern noch Oberösterreichern absprechen, auch wenn der Musiker nicht in Allgemeinplätze abgleiten will. „Der ,Münchner Grant‘ ist legendär. Ich interpretiere diesen aber eigentlich als Unlust der Bayern, der Welt ständig sämtliche Gedankengänge und Herleitungen mitteilen zu müssen. Bayern und Oberösterreicher geben am liebsten das Ergebnis bekannt, Diskussionen werden da eher als überflüssig und hinderlich betrachtet.“ Auch vor den Wienern hat man ihn rechtzeitig gewarnt: „Irrtümlich wird ja der Wiener Schmäh oft mit Humor verwechselt. Wenn der Wiener zu jemanden plötzlich richtig freundlich ist, sollte man lieber schnell das Weite suchen, vor allen Dingen als Nicht-Wiener“, analysiert Poschner.  

 
Auf der Sinnsuche

Sich selbst ­bezeichnet er als Suchender, sowohl in religiöser wie in musikalischer Hinsicht. Poschner ­verrät über sich selbst: „Auf vorgegebenen ­Trampelpfaden fühle ich mich nicht gut aufgehoben. Ich habe viele tolle Gespräche mit dem Theologen Paul Zulehner geführt, aber die religiöse Sinnsuche ist für mich ein ­Thema, das noch nicht ausgestanden ist.“ Diese Sinnsuche beschäftigt den Dirigenten aber auch, wenn er Musikstücke erarbeitet. Poschner ist überzeugt davon: „Das ist das Gleiche, wie  große, heilige Texte zu deuten und zu verstehen. Der Zweck dieses Vorganges ist, zum Ursinn durchzudringen. Denn beide Werke, sei es eine Notenpartitur oder ein Text aus der Bibel, erzählen von Dingen, die größer sind als wir selbst. Das Geheimnis liegt in den Zwischenräumen – egal, ob es sich um Noten oder um Buchstaben ­handelt.“

 

In Europa zu Hause

Wie Europäer in Österreich leben und arbeiten. Eine Serie zu Österreichs
Vorsitz im EU-Rat. Teil 2 von 4

Österreich übernimmt am 1. Juli für sechs Monate den Vorsitz im Rat der EU. Wir porträtieren deshalb Menschen aus anderen EU-Ländern, die in Österreich leben und arbeiten.

In Europa zu Hause - Wie Europäer in Österreich leben und arbeiten. Eine Serie zu Österreichs Vorsitz im EU-Rat.  Teil 2 von 4
In Europa zu Hause - Wie Europäer in Österreich leben und arbeiten. Eine Serie zu Österreichs Vorsitz im EU-Rat. Teil 2 von 4
© Hans Punz/Picturedesk.com
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