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„Danke, dass ihr sammeln geht“

Gesellschaft & Soziales

Spenden sammeln an den Haustüren, das liegt nicht jedem Menschen. Trotzdem sind in den nächsten Wochen über 6000 Freiwillige für die Haussammlung unterwegs. Was motiviert sie? Die Not der anderen und die Freude an der Begegnung, sagen drei im Gespräch.

Ausgabe: 2018/15
10.04.2018
- Christine Grüll
© KiZ/CG

Wie fühlt es sich an, riesengroß auf einem Plakat abgebildet zu sein? Christa Ausserwöger weiß das seit einigen Tagen. Sie hat sich bereiterklärt, mit ihrem Foto für die Haussammlung der Caritas zu werben. Nun steht sie mit wehenden Haaren vor einer Plakatwand in Eferding und blickt auf zu sich selbst. „Die Tragweite war mir nicht bewußt“, sagt Christa Ausserwöger lachend, „ich dachte, es wär nur ein Schaufensterplakat.“ Dass sie jetzt viele Menschen sehen, macht ihr nichts aus. Im Gegenteil. Es könnte helfen, wenn sie demnächst wieder an einer Haustüre läutet. Vor fünf Jahren hat Christa Ausserwöger begonnen, für die Haussammlung unterwegs zu sein. Da waren die Kinder aus dem Gröbsten heraus. Sechs Kinder haben sie und ihr Mann, zwischen 7 und 16 Jahren. Christa Ausserwöger kümmert sich auch um Onkel und Tante im Haus, und sie leitet die Pfarrbücherei. Trotzdem nimmt sie sich im April die Zeit, vor und in Häusern, vor jungen und betagten Menschen ihr „Gsatzl“ aufzusagen. Es kommt selten vor, dass die Tür verschlossen bleibt, obwohl jemand zuhause ist. „Es sind immer wieder nette Begegnungen“, sagt Christa Ausserwöger. Auch wenn sie einmal nichts bekommt, soll jede einzelne Begegnung positiv in Erinnerung bleiben. Da versteht sie sich als eine Art Botschafterin der Pfarre.

 

Seit 30 Jahren Spenden sammeln

 

„Als Christin ist es für mich selbstverständlich, dass ich mich auch um andere kümmere“, sagt Maria Monitzer. Seit bald 30 Jahren geht sie einen großen Bezirk der Stadtpfarre Wels ab, vom Wohnblock bis zur Villa. Das „Hinausgehen zu den Menschen“ beschert ihr immer wieder gute Gespräche. Manche erzählen aus ihrem Leben, andere haben Fragen zur Kirche, zur Pfarre oder zur Caritas. Maria Monitzer leitet den Caritas-Fachausschuss in der Pfarre und gibt gerne Auskunft darüber, wie die Spendengelder verwendet werden. „Ich kenne die Sozialberatungsstellen und weiß, wie viel Not es heute immer noch gibt.“ Jede Tür, die sich öffnet, jedes freundliche Lächeln, jede Spende sind ihr Dank und Freude, sagt Maria Monitzer. Mit ein paar Worten fasst sie ihre langjährige Erfahrung zusammen: Viele haben ein offenes Ohr, eine offene Geldtasche und – das ist besonders – sie bedanken sich dafür, dass jemand die Arbeit des Spendensammelns macht.

 

G‘stanzln in Offenhausen

 

Es fällt nicht jedem leicht, um Spenden zu bitten. In den Pfarren wird es zunehmend schwieriger, neue Haussammler/innen zu gewinnen. Bei anderen ist die Luft raus. „Ich habe es immer mehr hinausgezögert“, sagt Roland Mayr, Pfarrgemeinderatsobmann in Offenhausen. Weil es auch anderen in der Pfarre so ging, entwickelte der Kreativ-Ausschuss ein neues Konzept. 2015 wurde die G‘stanzl-Roas ins Leben gerufen. „Mit dem Singen wollten wir uns selbst eine Freude machen“, sagt Roland Mayr. Über 40 Männer, Frauen und Kinder zogen Anfang April wieder in kleinen Gruppen durch den Ort. In gereimten Texten – passend zum Weltgeschehen oder zu einzelnen Personen im Ort – brachten sie ihr Anliegen vor. Auch Volkslieder haben die Sammlerinnen und Sammler im Repertoire. Vor allem ältere Menschen singen da gerne mit. Die G‘stanzl-Sänger/innen tragen Tracht und ein verknotetes Tuch, das Bschoad-Binkerl, für die Spenden. Es steht symbolisch für die Caritas, die einsammelt und an andere austeilt. Dass das Singen auf zwei Tage begrenzt ist, ist gut für die Motivation. Es hat noch einen weiteren, unbeabsichtigten Effekt. „Wir bekommen mehr Geld“, sagt Roland Mayr mit einem Lachen. Er würde sich freuen, wenn andere Pfarren die Idee aufgreifen. Sie dürften sich bei den über zwanzig selbstgeschriebenen G‘stanzln (siehe unten) bedienen.

 

Caritas-Haussammlung 2018

 

Im April und Mai sind ehrenamtliche Mitarbeiter/innen aus den Pfarren unterwegs, um Spenden für Oberösterreicher/innen in Not zu sammeln. Die Spenden der Caritas-Haussammlung werden zum Beispiel für 12 Sozialberatungsstellen verwendet, das Help-Mobil – medizinische Hilfe auf vier Rädern für Obdachlose in Linz, das Haus für Mutter und Kind in Linz, für acht Lerncafés für Kinder aus sozial benachteiligten Familien, vier Krisenwohnungen, sowie für die psychosoziale Beratung und Info-Veranstaltungen für pflegende Angehörige.

 


„Was wir von eich mechtn, is a bissl a Göd“


Zwei G‘stanzln, die bei der Haussammlung in 
Offenhausen gesungen werden.


Wir gengan mit Freude von an Haus  zum andern 
und nennan des Ganze dann „Caritas-Wandern“.

Die Caritas nennt des dann „Haussammlung“ oft, 
doch des Sammeln von Häusern ham wir do 
no nia gschafft.
Hollodaria, hollodera, des is die Gstanzlroas, 
wos sagst denn da!

 

Was wir von eich mechtn,  ist a bissl a Göd, 
und wir geben´s weiter an de,  denen´s föhd.
Es gibt sovü Menschn, die ham einfach zweng, 
für die wird des Leben tagtäglich zu eng.
Hollodaria, hollodera, ...
 

Wir halten heut auf unser bittende Hand und sammeln für Menschen im eigenen Land.
So lasst´s eich net lumpn, schauts ins Gödtaschl eine, wir nehman eh alles: sowohl Münzn als Scheine!
Hollodaria, hollodera, ...
 

***
 

Ja, wir san de Sänger/innen, 
die euch eine Botschaft bringen, 
des is ernst und is ka Spaß: 
Wir singen für die Caritas!
Ja, so sans, ja, so sans, ja, so sans, die Gstanzl-Sänger-Leit, ja, so sans, ja, so sans, die Gstanzl-Sänger-Leit.
 

Manchmal is es wie verhext, 
wir vergessen jeden Text. 
Aber uns is des egal: 
G´sungen wird auf jeden Fall!
Ja, so sans, ...
 

Singend gehn wir durch den Ort, 
wann´s uns hearn, sans alle fort, 
mancher sagt mit Händeringen: 
Nehmts des Göd, miaßts eh net Singen!
Ja, so sans, ...
 

Und so bitt´ ma für die Armen 
um a Göd und um Erbarmen. 
`S Göd wird manche Not verringern, 
weswegen wir die Gstanzln singen.
Ja, so sans, ...
 

Amen, Halleluja, aus, wir gengan jetzt zum nächsten Haus, singen dort die nächsten an, weil man singend helfen kann!    
Ja, so sans, ...

 

© Privat
© Claudia Mayr
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