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Bauen, aber nicht auf der grünen Wiese

Gesellschaft & Soziales

Weniger Flächenverbrauch in Oberösterreich und mehr Schutz für die natürliche Umwelt, das will Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner mit der Novelle der 
Oö. Raumordnung erreichen. 
 

Ausgabe: 47/2019
19.11.2019
- Christine Grüll
Betriebsansiedelungen: Zuerst sollen leer stehende Gebäude und Brachflächen in einer Gemeinde geprüft werden, bevor tatsächlich neu gebaut wird.
Betriebsansiedelungen: Zuerst sollen leer stehende Gebäude und Brachflächen in einer Gemeinde geprüft werden, bevor tatsächlich neu gebaut wird.
© ©Roman_23203 - stock.adobe.com

Eine Einkaufshalle an jedem Ortsrand, meistens sogar zwei oder drei – wer durch Oberösterreich fährt, hat den Eindruck, dass hier ein besonders großes Bedürfnis nach Lebensmitteln, Möbeln und Heimwerkerzubehör herrscht. Der Schein trügt nicht: Nach Belgien und den Niederlanden hat Österreich pro Einwohner/in die meisten Verkaufsflächen in der Europäischen Union. Der oberösterreichische Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner will dieser Entwicklung entgegensteuern. Mit der Novelle des Oö. Raumordnungsgesetzes, über das im Frühjahr 2020 im Landtag beraten wird, will er „der Zersiedelung den Kampf ansagen“.

 

Ziele der Zukunft

Die Raumplanung soll in Zukunft besonders sechs Ziele im Auge behalten: Ortszentren werden belebt und Leerstände genutzt, bevor Grünland für neue Handelsflächen umgewidmet wird. Weiters soll bereits gewidmetes Bauland tatsächlich genutzt werden. Bauland solle kein „Sparbuch-Ersatz“ sein, so Landesrat Achleitner. Dann könnten bestehende Siedlungsgebiete weiterentwickeln werden. Drittens wird auch bei Betriebsansiedelungen zuerst geprüft, ob leer stehende Flächen und Brachland dafür genutzt werden können. Ein weiteres Ziel sollen multifunktionale Gebäude mit Tiefgaragen sowie Wohn- und Büroflächen sein, statt Einzelgebäude, die von großen Parkflächen umgeben sind. Ein fünfter Schwerpunkt ist das leistbare Wohnen: Eine neue Widmungskategorie soll Flächen für den sozialen Wohnbau sicherstellen. Der sechste Schwerpunkt ist der Anbau von Nahrungsmitteln: Landwirtschaftlich genutzte Flächen sollen abgesichert und Vorrangflächen definiert werden. Das soll die weitere Zersiedelung stoppen. 

 

Bestehendes nutzen

Bestehende Einrichtungen nutzen und ausbauen, das will Landesrat Markus Achleitner fördern: „Für mich hat das ganz klar Vorrang vor dem Bauen auf der grünen Wiese.“ Deshalb wurden letztendlich ein geplantes Stadion in Pichling, eine neue Arena für nordische Sportarten oder ein vierter Supermarkt in Wallern nicht neu gebaut. Bisher wurde der Neubau politisch gerne als Symbol für den Fortschritt verwendet. Mit der neuen Raumordnung dürfte sich das ändern.

 

Zur Sache

 

Wie viel Grünland hat das Land?

Im Flächenwidmungsplan jeder Gemeinde sind jene Flächen auszuweisen, die als Bauland, als Verkehrsflächen oder als Grünland gewidmet sind. Die Daten werden von der Abteilung Raumordnung der Landesregierung erfasst und ergeben folgendes Bild der gewidmeten Flächen: Die gesamte Landesfläche Oberösterreichs umfasst gerundet 1.198.000 Hektar. Fast 92 % der Fläche sind Grünland, davon sind mehr als die Hälfte (54 %) land- und forstwirtschaftliche Flächen bzw. Ödland. 36 % entfallen auf Waldgebiete und 2 % auf Sondergebiete wie Parks und Erholungsräume. Gewässer machen 2 % der oberösterreichischen Gesamtfläche aus. 3 % der Gesamtfläche sind als Bauland gewidmet, aber noch nicht verbaut, 2 % der Gesamtfläche sind versiegeltes Bauland. 1 % der Gesamtfläche wird als Verkehrsfläche genutzt.

 

Rückläufiger Flächenverbrauch. In den vergangenen fünf Jahren sei weniger Fläche verbaut worden als in den Jahren zuvor, so Landesrat Markus Achleitner. Von 2010 bis 2015 wurden 1,2 Hektar Grünland pro Tag ­umgewidmet, im Jahr 2018 war es 1 Hektar pro Tag.

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