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Als Karenzväter noch Exotenstatus hatten

GESELLSCHAFT_SOZIALES

Die Zahl der Karenzväter ist nach wie vor nicht sehr hoch. Vor 25 Jahren waren Männer, die eine berufliche Auszeit für ihren Nachwuchs einlegen, noch Exoten. 

Ausgabe: 24/2023
13.06.2023
- Paul Stütz
„So wenig Karenzväter“, titelte die Kirchenzeitung im Juni 1998.
„So wenig Karenzväter“, titelte die Kirchenzeitung im Juni 1998.
© Kiz/Archiv

In einer Kolumne steuerte die Gastautorin Kerstin Kordovsky-Schwob ihre Erfahrungen aus einer Mütterrunde bei. Eine Mutter eines Dreijährigen und eines Babys hätte angekündigt, dass ihr Mann zu der Mutter-Kind-Gruppe stoßen möchte, wenn er dann in Väterkarenz sei. Skepsis über seine Rolle als Karenzvater machte sich bei den anderen Müttern breit – „Ja, kann er das? Was sagt sein Chef dazu? Macht das den Kindern nichts aus?“ – und Angst, dass ein Mann Gespräche in der Runde über Frauenthemen verunmöglichen würde. 


Michael, Karenzvater von zwei Kindern, erzählte im Bericht neben der Kolumne wiederum von seinen Kinderarztbesuchen: „Als ich angab, daß meine Tochter bei meiner Frau mitversichert sei, wurde in der Krankenkartei bei ihrer Berufstätigkeit automatisch ,Karenz‘ eingetragen.“ Seine wiederholten Reklamationen blieben erfolglos. „Die können sich gar nicht vorstellen, daß die Mutter eines viermonatigen Kindes nicht in Karenz ist.“ 


„Leider werden Männer seitens der Arbeitswelt und auch der Umgebung ohnehin nicht gerade ermutigt, ,Karriere als Vater‘ zu machen. Man hält sie nicht selten für ,arbeitsscheue Typen‘, Softies oder Pantoffelhelden“, wurden in der Kirchenzeitung weitere Vorurteile angeführt. „Nicht einmal 1 Prozent der Männer nimmt Karenzurlaub zur Kinderbetreuung. Auch die geänderte Gesetzeslage, nach der die Karenzzeit nur dann voll ausgeschöpft werden kann, wenn der Vater das letzte halbe Jahr in Anspruch nimmt, hat hier keine spürbare Veränderung gebracht.“

 

Als Reaktion auf diese ernüchternde Lage plädierte Familienminister Martin Bartenstein für bessere gesetzliche Rahmenbedingungen. Tatsächlich hat sich seither etwas bewegt. Aktuell gehen 20 Prozent der Väter in Karenz. Nur drei Prozent bleiben aber länger als drei Monate. Luft nach oben ist bei den Karenzvätern also nach wie vor. 

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