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Inhalt:
Kirche als Ort von Struktur und Sicherheit

Ein Autist und der Gottesdienst

Bewusst Leben

Unser 16-jähriger Sohn Max ist Autist. Er braucht Programm, Struktur und liebt Routine. Was bietet sich da besser an als ein Gottesdienst?

Ausgabe: 15/2021
13.04.2021
- Birgit Kubik
Max mit seinem Freund und Kirchgeher Hubert und dem Pfarrer von Enns-St.Marien, Pater Markus Schlichthärle
Max mit seinem Freund und Kirchgeher Hubert und dem Pfarrer von Enns-St.Marien, Pater Markus Schlichthärle
© Kubik

Max geht seit Jahren gerne zur Sonntagsmesse. Er freut sich immer sehr darauf. Ging früher ich mit ihm, nimmt nun ein Freund von uns Max oft mit in die Kirche. Beim Gottesdienst bleibt der Ablauf stets gleich. Das tut ihm gut. Er kennt diesen Ablauf und passt genau auf.

 

Volle Begeisterung

Beim Einmarsch begrüßt Max lautstark den Pfarrer. Wird das „Vater unser“ gesungen, stellt er sich in den Gang, hüpft und singt mit. Schon bevor der Pfarrer ankündigt, dass wir uns nun ein Zeichen des Friedens geben, springt Max auf und ruft „Friede sei mit dir“. Zwischendurch steht er immer wieder auf und schaut, ob er jemanden kennt. Entdeckt er ein bekanntes Gesicht, winkt er ihm freudig zu. Am liebsten sind ihm die Verlautbarungen. Wird ein Pfarrbuffet angekündigt (was zurzeit leider nicht der Fall ist) schreit er hüpfend „Jaaa!“. Er bedankt sich beim Chor oder beim Orgelspieler lautstark mit „Bravo!“ oder „Dankeschön!“. Manchmal legt er ein „Zugabe, Zugabe“ nach. Auch beim Vorstellgottesdienst für die Firmung war Max aktiv dabei. Bruder Andreas meinte abschließend: „Wären alle so fröhlich wie Max, wär‘ hier eine gute Stimmung.“ Bei der Firmung selbst war der Firmspender, Probst Johannes Holzinger, überrascht, dass sich einer so freuen kann. Ja, Max sorgt oft für gute Stimmung in der Kirche.

 

Sein, wie er ist

Max ist auch gerne in der Sakristei, denn er wäre gern Ministrant. Doch die Messe würde dann ewig dauern, weil er die Leute fragen müsste, wie sie heißen oder was sie nachher machen. Er könnte auch den Pfarrer mühelos vertreten. Er singt und spricht dessen Worte oft mit. Aber es bleibt beim Kirchenbesuch. Das ist auch schön, denn dort darf Max sein, wie er ist. Er ist in unserer Pfarre sehr willkommen. Das nimmt ihm – und uns – den Stress und so kann Max beruhigt dem Gottesdienst folgen – und ihn mitunter aktiv mitgestalten. Dafür sind wir dankbar.

 

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