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Gedanken zur Adventzeit

Bitte warten!

begleiten, beleben, bestärken

„Wie oft muss ich noch schlafen, bis das Christkind kommt?“ Es scheint, als sei der Advent besonders für Kinder eine Zeit des Wartens.

Ausgabe: 50/2020
07.12.2020
- Eva Nessl
© ©karepa - stock.adobe.com

Aber nicht nur für die Kleinen gelten die kommenden Wochen als Wartezeit. Auch für die Großen stellen sie eine Zeit dar, die sich vom Rest des Jahres abhebt.

 

Ausnahmejahr

Besonders heuer reagiere ich etwas empfindlich auf das Wort „warten“. Ich bin es an manchen Tagen einfach leid, warten zu müssen. So lange schon warte ich darauf, dass wir mit unseren Chorproben wieder beginnen können; dass ich wen auch immer ich möchte wieder nach Herzenslaune und ohne Bedenken treffen und in den Arm nehmen kann; dass ... – dass meine Vorfreude nicht mehr ins Leere läuft.

 

Das Warten begleitet uns

Von klein auf sind wir Menschen mit dem Wesen und mit Zeiten des Wartens konfrontiert. Wahrscheinlich ist das Warten sogar ein so fixer Bestandteil unseres Lebens, dass wohl noch kein Tag vergangen ist, an dem wir nicht in irgendeiner Weise gewartet haben. Wie wir das Warten aber erleben, hängt wesentlich von unserer Haltung und emotionalen Wahrnehmung ab. Dabei ist das Warten ein mehr oder weniger bewusstes Erleben von gegenwärtiger Zeit.

 

Störfaktor „Warten“

Nicht selten wird das Warten aber als etwas erlebt, das so gar nicht in den Fluss unseres Alltags hineinpasst. Ungeduldig stehen manche an der Bushaltestelle oder im Stau und kämpfen damit, diese scheinbar unproduktive Stehzeit auszuhalten. Ablenkung zeigt sich dann als Wundermittel, um die Wartezeit etwas erträglicher zu machen und uns außerdem das Gefühl zu geben, dass wir ja nichts verpassen – wohlgemerkt: während die Zeit vorüberzieht und schlichtweg verwartet wird.

 

Erwarten statt verwarten

Genauso kennen wir aber nicht zuletzt aus Kindertagen das Warten, das von tiefer Vorfreude geprägt ist, und manches Warten ist mit einer Haltung des Hoffens verbunden. Das Warten zeigt sich hier als Erwarten. Anders als bei einer vermeintlich sinnlosen Verwarte-Zeit ist die Wahrnehmung dieser Zeit viel positiver gestimmt. Als glücklich werden die sich bezeichnen, die die Zeit des Wartens gar schätzen gelernt haben.

Als eine solche Zeit gilt auch der Advent: eine Zeit des Erwartens und der Vorbereitung, in der wir – wie bei einem Adventkalender – jeden neuen Tag wie ein Türchen öffnen dürfen, um zumindest für einen Augenblick das Erwarten achtsam wahrzunehmen und wenigstens für einen Moment die Zeit im Jetzt auszukosten.

Mag. Eva Nessl, Institut für Religionspädagogi, Pädagogische Hochschule der Diözese Linz
Mag. Eva Nessl, Institut für Religionspädagogi, Pädagogische Hochschule der Diözese Linz
© www.phdl.at
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