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Auch kirchlich isoliert sich Moskau vom Rest der Welt

Orthodoxe großteils gegen den russischen Angriff

Weltkirche

Russland und Serbien bleiben vage und distanzieren sich nicht von Putin. Andere Patriarchen sehr wohl.

Ausgabe: 09/2022
01.03.2022
Die St. Michaelskirche in Kiew ist nach dem Schutzheiligen der Stadt benannt.
Die St. Michaelskirche in Kiew ist nach dem Schutzheiligen der Stadt benannt.
© CCO Freddy Torres pixabay.com

Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill I., hat sich nicht vom Angriff Russlands auf die Ukraine distanziert. In einer Sonntagspredigt in Moskau rief er zwar dazu auf, für Frieden und Einheit zu beten, warnte aber gleichzeitig vor äußeren „bösen Kräften“, die nicht nur Russland, sondern die ganze „Rus“ bedrohen würden.

 

Mit „Rus“ meint er die Einheit von Russland, Belarus und der Ukraine. „Wir müssen alles tun, um den Frieden zwischen unseren Völkern aufrechtzuerhalten und gleichzeitig unser gemeinsames historisches Vaterland vor allen äußeren Einwirkungen zu schützen, die diese Einheit zerstören können.“ 

 

Keine Entschuldigung

 

Anders sieht das Metropolit Onufrij, das Oberhaupt der sonst russlandfreundlichen ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Dieser hatte schon vergangene Woche Präsident Wladimir Putin aufgerufen, den Angriff einzustellen. Für einen solchen Krieg gebe es keine Entschuldigung, weder vor Gott noch vor den Menschen, so der Metropolit. 

 

Annäherung

 

Metropolit Epifanij, Oberhaupt der orthodoxen Kirche der Ukraine, lobte das Verhalten. Immer mehr Geistliche und Gläubige des Moskauer Patriarchats in der Ukraine hätten das wahre Wesen der russisch-orthodoxen Kirche und ihres Oberhaupts Patriarch Kyrill erkannt und würden treu zur Ukraine und deren Verteidigung stehen.

 

Unterstützung

 

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel telefonierte aus Istanbul mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenski. Er bekräftigte den Präsidenten laut „OrthodoxTimes“ in seiner Haltung, mit der er den Menschen in der Ukraine Hoffnung und Durchhaltevermögen schenke. Zuvor hatte der Patriarch einmal mehr zum Ende des Krieges in der Ukraine aufgerufen. Vonseiten der orthodoxen Kirchenoberhäupter verurteilte auch der rumänisch-orthodoxe Patriarch Daniel den russischen Angriff auf die „souveräne und unabhängige Ukraine“. 

 

Österreich

 

Mit deutlichen Worten verurteilte der Wiener griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) den Angriff auf die Ukraine. Jeder Krieg sei ein Angriff auf Menschenrechte und Menschenwürde.

 

Keine Distanzierung

 

Ohne das Wort „Krieg“ zu verwenden, kündigte der für Österreich zuständige russisch-orthodoxe Bischof Aleksij (Zanochkin) in der Wiener Nikolauskathedrale an, dass die Gemeinde beginne, Geld für Personen zu sammeln, die in Mitleidenschaft gezogen worden sind. 

 

Serbien

 

Keine Verurteilung des russischen Angriffs kam auch vom serbisch-orthodoxen Patriarchen Porfirije. Zwar veröffentlichte das Belgrader Patriarchat, dass jeder Krieg eine Tragödie sei. Die Worte blieben aber vage. Es sei „eine schmerzliche Tatsache, dass zwei völlig einander nahestehende Brudervölker gleichen Glaubens aufeinanderprallten, deren Geschichte und Kultur untrennbar miteinander verflochten sind“. 

 

Andere Meinung

 

Zum Ende der Kämpfe in der Ukraine rief jedoch der serbisch-orthodoxe Bischof von Österreich, Andrej (Cilerdzic), auf. Gewalt sei niemals die Lösung, so Bischof Andrej, und sprach von einem „mörderischen Überfall“.

 

Krieg beenden

 

Auch Österreichs „Europabischof“ Ägidius Zsifkovics ruft, wie der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, zu Frieden und Solidarität mit der Ukraine auf. Er forderte die Verantwortungsträger in Österreich und europaweit auf, „alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den Krieg sofort und dauerhaft zu beenden“.

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Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.

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