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„Erfahrungen von Auferstehung im Alltag erschließen uns die Auferstehung Jesu“

Kirche OÖ

Kleine Freuden im Alltag sind Auferstehungserfahrungen, die Mut, Vertrauen und Hoffnung schenken – gerade auch in schweren Zeiten: So die Botschaft von Bischof Manfred Scheuer bei den Gottesdiensten zur Osternacht und zum Ostersonntag.

12.04.2020
- Diözese Linz
Ostern ist auch in Corona-Zeiten nicht abgesagt. Die Botschaft der Hoffnung: Jesus ist wahrhaft auferstanden.
Ostern ist auch in Corona-Zeiten nicht abgesagt. Die Botschaft der Hoffnung: Jesus ist wahrhaft auferstanden.
© Diözese Linz / Valant

Die drei österlichen Tage finden ihre Vollendung in der Feier der Osternacht. Es ist die Nacht des Übergangs vom Dunkel zum Licht, vom Tod zum Leben, von der Trauer zur Freude. Trotz der Corona-Krise, die öffentliche Gottesdienste zu Ostern unmöglich macht, sind ChristInnen in aller Welt in der Feier des Festes der Auferstehung Jesu verbunden. Sie feiern zu Hause als Hauskirche oder über die Medien das zentrale Fest der Christenheit gemeinsam. Die Feier der Osternacht und des Ostersonntags mit Bischof Manfred Scheuer wurden aus der Linzer Priesterseminarkirche übertragen.

 

Am Beginn der Osternacht steht die Lichtfeier: Die Osterkerze wird am Osterfeuer entzündet. Das Feuer steht für die verwandelnde Kraft des Lebens, für die durch Kreuz und Tod hindurchgegangene Liebe Gottes in Jesus Christus. Die Osterkerze ist Symbol für Christus, den Auferstandenen. Er erhellt die Dunkelheit dieser Nacht. Sein Licht schenkt Hoffnung in den Dunkelheiten des Lebens.

Im anschließenden Osterlob (sog. „Exsultet“) wird Christus als das wahre Licht der Welt gepriesen. Seine Auferstehung wird in Verbindung gebracht mit dem Wirken Gottes, das auch schon im Alten Testament überliefert ist.

Im Wortgottesdienst erinnern zunächst die alttestamentlichen Lesungen daran, dass Gott aufbaut, Lebensräume schafft und zu einem Leben in Freiheit und Verantwortung führt. Beim festlichen Gloriagesang ertönen die Glocken und die Orgel, die seit Gründonnerstag geschwiegen haben. Danach erinnert der Brief des Apostels Paulus aus dem Neuen Testament an die Bedeutung der Taufe: Durch die Taufe haben ChristInnen Anteil an der Auferstehung Jesu.

 

„Die Auferstehung Jesu ist der große Wendepunkt unseres Lebens“

Ostern als Gedächtnis des Todes und der Auferstehung Jesu ist die zentrale Feier im christlich gestalteten Jahreskreis. Das Fest spannt in den biblischen Texten den Bogen von der Schöpfung über den Exodus, die Befreiung des Volkes Israel, zum Neuen Bund, zur Auferstehung Jesu und zur Hoffnung auf die Vollendung aller. In seiner Predigt erinnerte Bischof Manfred Scheuer daran, dass die in den biblischen Texten geschilderten Ereignisse nicht bloß Geschichte seien: „Es wird unsere Sache abgehandelt, es geht um unser Leben, unser Glück, unsere Freiheit, unseren Sinn, unsere Beziehung, unsere Gemeinschaft. Ostern heißt Verschonung, Überschreitung, Befreiung, Verwandlung, Aufbruch. All das bündelt sich im Taufgedächtnis: Wir sind Gottes gelungene Schöpfung, wir sind von ihm beim Namen gerufen, zur Freiheit geführt. Die Auferstehung Jesu ist der große Wendepunkt unseres Lebens, ist der entscheidende Durchbruch vom Tod zum Leben, von der Resignation zur Hoffnung, von der Gewalt zum Frieden, von der Knechtschaft zur Freiheit.“

„Der Durchbruch, die Wende für immer“ sei dort sichtbar geworden, wo die Herrlichkeit Gottes am Ostermorgen erstrahle und Jesus durch den Vater von den Toten auferweckt worden sei. Der Tod sei mit der Wurzel ausgerissen worden, Gott sei ein Freund des Lebens, der die Toten lebendig machen könne, so Scheuer über die Osterbotschaft. Der Bischof wörtlich: „Wir dürfen ein Ausrufezeichen für das Leben sein – und vielleicht zugleich ein Fragezeichen, ob das Leben mit alldem schon ausgeschöpft ist, was sich unmittelbar darbietet, oder ob es nicht doch auch erlaubt ist, auf tiefere Dimensionen hinzuweisen und einzugehen. Braucht es in dieser Welt nicht Menschen, die sich weigern, nicht zu hoffen?“

Bischof Scheuer wies darauf hin, dass sich Auferstehungserfahrungen häufig mitten im Alltag ereigneten. Auch dort, wo Menschen in Corona-Zeiten ihren Alltag neu miteinander gestalteten, „wo wir einander ertragen und aufbauen“, werde ein Stück Auferstehung spürbar, so Scheuer. Eine solche Auferstehungserfahrung könne auch sein, dazuzugehören, nicht allein zu sein. Bischof Scheuer wörtlich: „Was unsere Gesellschaft oft kalt und unbarmherzig macht, ist die Tatsache, dass in ihr Menschen an den Rand gedrückt werden: die Arbeitslosen, die psychisch und physisch Kranken, die AsylwerberInnen, die Flüchtlinge usw. Was kann da Auferstehung heißen? Die Zusage: Du bist kein Außenseiter, du gehörst zu uns. Du gehörst dazu, ihr gehört dazu! Ihr Kinder und Jugendliche seid im Gottesdienst willkommen, ohne euch in allem anpassen zu müssen. Ihr gehört zu uns, die ihr pflegebedürftig seid oder eure Angehörigen pflegt. Ihr gehört dazu – das sollen in den Pfarren und in der Kirche auch jene hören, deren Beziehung gescheitert und deren Ehen zerbrochen sind. Du gehörst dazu: Das gilt vor allem auch für Frauen, die ihre Kinder alleine großziehen. Auferstehung heißt da: Du bist nicht allein, nicht im Stich gelassen, du gehörst dazu.“

 

Nach der Predigt folgte die Taufgedächtnisfeier, in der die Gläubigen ihr Taufversprechen erneuern. Sie sagen dem Bösen ab und bekräftigen ihren Glauben an den dreifaltigen Gott, der Leben gibt und Leben erhält. Normalerweise wird in der Osternacht auch das Taufwasser geweiht; diese Weihe wird heuer auf jenen Sonntag verschoben, an dem erstmals wieder miteinander in den Kirchen Gottesdienst gefeiert werden kann.

Im Rahmen der Eucharistiefeier segnete Bischof Scheuer auch die mitgebrachten Osterspeisen. Der Bischof einleitend: „Das gemeinsame Mahl ist ein Zeichen für die Begegnung mit dem Auferstandenen. Wenn wir miteinander Mahl halten, verbinden wir uns mit dem Auferstandenen.“

 

Ostersonntag: Auferstehung vor dem Tod erlebt jeder und jede im Alltag

Bischof Scheuer beim Gottesdienst am Ostersonntag, dem Fest der Auferstehung Jesu Christi: „In diesem Jahr, in dem so vieles anders ist, in dem uns so vieles abgeht und fehlt, in dem wir so vieles schmerzlich vermissen, tritt Jesus der Auferstandene in unser Leben ein. Besinnen wir uns auf die Freude, die unser Leben trägt und mit der wir dem Auferstandenen begegnen dürfen.“

Wann ist Ostern? Diese Frage stellte Bischof Scheuer ins Zentrum seiner Predigt. „Wann ist Ostern? Wenn die Ostersträucher blühen, wenn die Baumblüte da ist, wenn die Narzissen aufgehen? Wenn wir Eier pecken, die Kinder nach Nestern suchen, verkleidete Osterhasen zu sehen sind, wenn wir das österliche Brauchtum pflegen?“ Ostern sei nicht einfach ein Zeitpunkt, ein Datum im Kalender, sondern ein Übergang. Scheuer wörtlich: „Ostern findet auch nicht für alle zur gleichen Zeit statt. Das war schon bei den Frauen und den Aposteln so. Manche sind noch beim Gründonnerstag der Angst, andere beim Schweigen des Karsamstags, viele leben vor dem Aschermittwoch in der Erlebnisgesellschaft ohne Verantwortung und ohne Entschiedenheit. Manche fühlen sich einfach verlassen wie Jesus am Karfreitag.“

Der Bischof betonte, die große Auferstehung Jesu, der Himmel, erschließe sich täglich in kleinen Erfahrungen des Lebens und der Auferstehung: Auferstehung aus dem matten Alltag, aus Sorgen, aus festgefahrenen Situationen, aus schlechter Laune, aus Stress und Qual. Der Bischof wörtlich: „Auferstehung vor dem Tod erlebt jeder und jede: Einmal haben wir einen Schmerz um einen geliebten Menschen gespürt, den wir für nichts in der Welt mehr eintauschen möchten. Einmal haben wir eine Blume wahrgenommen und darüber gestaunt, dass es so etwas Schönes einfach gibt. Einmal haben wir erfahren, was Freundschaft ist. Einmal haben wir geholfen, weil wir gewusst haben, was zu tun ist, und gespürt: Ich bin am richtigen Platz. Es gibt Sternstunden des Lebens, die wir nie vergessen. Da sind Taborstunden, Erfahrungen des Glücks, der Lebensfreude, der intensiven Beziehung, die zu uns gehören.“ Solche Erinnerungen seien Anker der Hoffnung, die auch in dunklen Stunden Zuversicht gäben, so der Bischof: „Es sind Bilder der Lebensfreude, des Glücks, der Freundschaft, der Hochzeit, des Essens und Trinken, der Verwandlung von Trauer und Schmerz. Der liebe Gott hat sich diese irdischen Freuden ausgedacht. Er hat uns nicht zum Frust geschaffen, sondern zum Glück. Erfahrungen der kleinen Auferstehung und der kleinen Freude im Alltag erschließen uns die Auferstehung Jesu. Sie geben Mut, Vertrauen und Hoffnung, gerade auch in schweren, dunklen Zeiten.“

 

Osterwünsche des Bischofs und Dank an alle „Osterboten“

Der Osterwunsch des Bischofs an alle Mitfeiernden: „Ich wünsche Ihnen in allem, trotz allem ein frohes, gesegnetes Osterfest. Wenn wir aus Gründen der Nächstenliebe, um andere zu schützen, um uns selbst zu schützen, voneinander Abstand halten, ist dennoch die Kraft des Lebens und des Auferstandenen stärker als die Klausuren und die Quarantänen, als unser Abgeschiedensein. Gerade Ostern ist ein Fest, an dem verschlossene Türen aufgetan werden, an dem das Miteinander einen neuen Frieden und auch eine neue Zuversicht findet. Ich wünsche Ihnen allen ein frohes, gesegnetes Osterfest – besonders denen, die in diesen Tagen krank sind, besonders auch denen, die allein sind, die einsam sind und die unter dieser Einsamkeit leiden. Ich wünsche uns allen Lebensmut, Lebenskraft, Zuversicht und Hoffnung.“

Seinen Dank brachte der Bischof all jenen gegenüber zum Ausdruck, die Osterboten sind: „Ein großes Vergelt’s Gott möchte ich all jenen sagen, die Osterboten, also Zeugen des Lebens, der Auferstehung sind. Das sind jene, die den Alltag in schwierigen Zeiten unter schwierigen Bedingungen bewältigen, das sind jene, die sich gerade in diesen Tagen für andere einsetzen, auf andere schauen, die für die Grundversorgung da sind, jene, die in medizinisch-pflegerischen Berufen arbeiten, aber auch in der öffentlichen Verantwortung. Zeugen der Auferstehung sind auch jene, die die Kommunikation ermöglichen: die Medien, denen ich danken möchte. Ich danke allen, die die frohe Botschaft von der Auferstehung leben und anderen mitteilen, auch und gerade in den kirchlichen Berufen.“

 

 

Hinweis: TV-Gottesdienst mit Bischof Scheuer am Ostermontag

In Oberösterreich überträgt der Fernsehsender LT1 seit Palmsonntag sechs Gottesdienste mit Bischof Manfred Scheuer aus der Linzer Priesterseminarkirche. Neben der TV-Übertragung wird der Gottesdienst zusätzlich über die Website der Diözese Linz (www.dioezese-linz.at) sowie von LT1 und nachrichten.at im Internet gestreamt. Am Ostermontag, 13. April 2020 um 10 Uhr wird der letzte der sechs Gottesdienste mit Bischof Scheuer aus der Linzer Priesterseminarkirche übertragen.

Lichtfeier am Beginn der Osternacht: Bischof Manfred Scheuer beim Osterfeuer mit Diakon Anton Birngruber und Schwester Maria Regina Scherrer.
Lichtfeier am Beginn der Osternacht: Bischof Manfred Scheuer beim Osterfeuer mit Diakon Anton Birngruber und Schwester Maria Regina Scherrer.
© Diözese Linz / Valant
Bischof Manfred Scheuer beim Hochgebet.
Bischof Manfred Scheuer beim Hochgebet.
© Diözese Linz / Valant
Bischof Scheuer spendete den feierlichen Ostersegen.
Bischof Scheuer spendete den feierlichen Ostersegen.
© Diözese Linz / Valant
Bischof Manfred Scheuer beim Segnen der Osterspeisen
Bischof Manfred Scheuer beim Segnen der Osterspeisen
© Diözese Linz / Valant
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