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Pionierpfarren in der Diözese Linz

Die neuen Pfarren werden jetzt konkret

Kirche OÖ

Im September 2021 starten die fünf ausgewählten Dekanate mit der Vorbereitungsphase am Weg zur „Pfarre neu“. Die Errichtung der neuen Pfarre erfolgt nach einem Jahr.
 

Ausgabe: 26/2021
29.06.2021
- Paul Stütz, Josef Wallner und Heinz Niederleitner
Maria Neustift wird Teil der Pionierpfarre Weyer.
Maria Neustift wird Teil der Pionierpfarre Weyer.
© ©Alex J. Reed - stock.adobe.com

Die fünf Pionierpfarren wurden anhand mehrerer Kriterien ausgewählt, zum Beispiel, dass sowohl Stadt- als auch Landgebiete in der ersten Gruppe dabei sind, erläutert Generalvikar Severin Lederhilger. Meist haben in den Gebieten bereits Dekanatsprozesse oder Dekanatsvisitationen stattgefunden. „Die Rückmeldungen aus den Pfarren haben uns das Signal gegeben, dass sich hier motivierte Menschen auf den Weg machen wollen, in missionarischer Weise ihr Christ- und Kirche-Sein miteinander zu leben“, sagt Lederhilger. Man habe bewusst mit einer kleineren Gruppe anfangen wollen, „um Erfahrungen zu sammeln und in der Begleitung auf überraschend auftauchende Fragen gut reagieren zu können“. Es gibt auch Dekanate, die sich bewusst erst für das kommende Jahr gemeldet haben, zu denen auch jene gehören werden, die momentan noch nicht zum Zug gekommen sind. In fünf bis sechs Jahren soll nach Möglichkeit die gesamte neue Pfarrstruktur der Diözese gebildet sein. „Die neue Struktur in der Spannung zwischen Beheimatung vor Ort und verstärkter Zusammenarbeit über bisherige Grenzen hinweg sehe ich als den notwendigen Rahmen, in dem das bunte Bild von Kirche im seelsorglichen Raum erst noch gemalt wird“, sagt der Generalvikar. Eine gewisse Unsicherheit gelte es da jetzt auszuhalten. Aber: „Die Kirche hat in der Spur Jesu immer die passenden Wege gefunden, indem sie Bewährtes weitergeführt und Neues aufgegriffen hat“, ist Lederhilger überzeugt.
Für die künftigen Pfarren werden im Rahmen eines Pastoralkonzepts auch pastorale Orte wie die Betriebsseelsorge, Bildungshäuser, Krankenhausseelsorge und Jugendhäuser mitgedacht. Geleitet werden sie von einem Pfarrer mit zwei Pfarrvorständen. Vor Ort bleibt die Arbeit der Priester, Diakone, Pastoralassistent/innen und natürlich der Ehrenamtlichen wesentlich. Die Pfarrteilgemeinden bilden – so weit dies nicht schon geschehen ist – Seelsorgeteams aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen. Ebenfalls am 25. Juni 2021 wurden im Konsistorium für fast alle Dekanate die neuen Dekanatsgrenzen beschlossen. «

 

Die bisherigen Schritte am Zukunftsweg

 

  • Die Auftaktveranstaltung zum Zukunftsweg fand am 11. November 2017 mit Bischof Manfred Scheuer statt. 
  • Danach wurde das Modell in ca. 90 Resonanztreffen in allen Regionen der Diözese diskutiert und überarbeitet. 
  • Im Jänner 2020 stimmten 94,5 Prozent der 186 mitstimmenden Delegierten für das erarbeitete Modell.
  • Bischof Scheuer trifft nach Gesprächen im Vatikan am 1. Febuar 2021 die Entscheidung für das Reformmodell. 
  • 25. Juni 2021: Die fünf Pionierpfarren werden im Konsistorium festgelegt. 

 

Der Fahrplan in die Zukunft 

 

Was die Pionierpfarren erwartet
 

Bei Martin Schachinger laufen die Fäden für die Umsetzung der Pfarrreform zusammen. Er erklärt die anstehenden Schritte für die Pionierpfarren.


Was sind nun die ersten Schritte auf dem Weg zur Pfarre neu?
Martin Schachinger:
Gemeinsam mit Gemeindeberater/innnen und inhaltlichen Begleiter/innen, die die Diözese für jede neue Pfarre stellt, und dem Kernteam um Dechant und Dekanatsleitung soll sich jede Pfarrgemeinde mit den Inhalten des Zukunftsweges und ihrer Situation auseinandersetzen. Dabei lautet die Frage: Was führt zu den Menschen und in die Zukunft? 


Was soll das Ergebnis dieses Prozesses sein?
Schachinger:
Dass aus der Analyse ein Pastoralkonzept entsteht und konkrete Schwerpunktsetzungen getroffen werden. In diesem Prozess sollen auch der Name und der Pfarrpatron der neuen Pfarre festgelegt werden. Und, wo das Pfarrbüro angesiedelt werden soll. 


Was ist mit einer Pfarrkirche? 
Schachinger:
Es wird keine zentrale Pfarrkirche geben, sondern die Kirche jeder Pfarrgemeinde ist Versammlungsort der Gläubigen vor Ort.

 

Knackpunkt ist das Seelsorgeteam, das jede Pfarrgemeinde der Pionierpfarren benötigt. Ist das möglich? 
Schachinger:
Bis September 2022 soll für jede Pfarrgemeinde der Pionierpfarren ein Seelsorgeteam so weit stehen, dass sie unter Begleitung die Arbeit aufnehmen können. Wenn es sich wo spießt – sind wir da, um zu helfen, Lösungen zu finden. 


Rechnen Sie mit Widerständen?
Schachinger:
Ich orte eine große Bereitschaft auch bei ursprünglichen Skeptikern, die Entscheidung unseres Bischofs mitzutragen. Aber Stolpersteine wird es schon geben.  

 

 

Hoffnung auf Personal


„Ein bisschen unsicher, aber voller Hoffnung“ ist Paulinus Anaedu. Er ist Dechant von Eferding und Pfarrer für sieben Pfarren. Im Dekanat herrscht eine prekäre personelle Situation und Dechant Paulinus ist zuversichtlich, durch den neuen Weg mehr Personal zu bekommen. Das geplante System würde das vorsehen. Er hofft, dass die Menschen wirklich eine Verbesserung spüren. Ein wenig mit Sorge erfüllt ihn die Anforderung, genug Ehrenamtliche für die Seelsorgeteams zu finden.  

 

Durch die Pfarren pilgern


Martin Brait, Dekanatsassistent von Schärding, freut sich, dass Schärding zu den Pionierpfarren zählt. Seit dem Dekanatsprozess 2010 ist das Bewusstsein gewachsen, über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen. Aber nun ist es für ihn hoch an der Zeit, die Zusammenarbeit auch strukturell zu verankern. Für den Fall, der jetzt eingetreten ist, hat Brait bereits eine Auftaktveranstaltung „ein wenig vorgeplant“. Im September wird das Dekanat zu einer Pilgerwanderung durch alle zwölf Pfarren laden.

 

Neue Perspektiven


Die Entscheidung, dass das Dekanat Schärding eine Pionierpfarre wird, verbindet Iris Gumpenberger, die sich ehrenamtlich in der Dekanatsleitung engagiert, mit der Hoffnung auf frischen Wind: „Das ist Anlass, Dinge neu durchzudenken und offener auf die Menschen zuzugehen.“ Sie hofft, dass man nicht nur versucht, an ein paar Schrauben zu drehen, sondern dass sich neue Perspektiven eröffnen. Auch wenn der Weg mit zusätzlicher Arbeit verbunden ist, findet sie ihn motivierend. 

 

„Wir sind gut aufgestellt“


Zuversichtlich startet das Dekanat Linz-Nord in das Vorhaben Pionierpfarre, meint Zarko Prskalo, Dechant von Linz-Nord. Ob es eine Art Hauptkirche für gemeinsame Feiern geben soll, kann er noch nicht sagen. Er rechnet damit, dass die Anzahl der Gottesdienste in der Pionierpfarre  insgesamt „eher reduziert“ wird. „Wir sind gut aufgestellt“, meint Prskalo über das Dekanat, in dem derzeit drei aktive Priester plus vier Aushilfspriester wirken. Die Reform sieht er als einzige Möglichkeit, „anders geht es gar nicht“.   

 

Neuer Pfarrer von außen


„Das Dekanat ist gut zusammengewachsen“, sagt Regina Nagler, Dekanatsassistentin von Weyer, über die neue Pionierpfarre. In den neun Pfarrgemeinden gibt es jeweils bereits zumindest zwei Ehrenamtliche mit Seelsorgeteamausbildung. Wer neuer Pfarrer wird, ist hingegen noch komplett offen, da sich die Priester im Dekanat im neuen Modell eher in der Rolle von Vikaren sehen würden, meint Nagler. Der neue Pfarrer von Weyer wird also mit ziemlicher Sicherheit von außen kommen.  

 

„Logische Pionierpfarre“


„Wir haben intensiv darauf hingearbeitet“, sieht Dechant Gert Smetanig Braunau als „logische Pionierpfarre“. Besonders die Ehrenamtlichen würden schon mit viel Elan auf den Start der Umsetzung warten. In den 14 Pfarrteilgemeinden werden ab Herbst vier aktive Priester plus ein Kaplan zur Verfügung stehen. „Ich selbst möchte mich als Pfarrer für die Pionierpfarre bewerben“, sagt Smetanig. Der neue Name stehe noch nicht fest, es müsse jedenfalls nicht unbedingt Braunau sein.    

 

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Aus dem Dekanat Linz-Nord wird eine Pionierpfarre.
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© ©Karin - stock.adobe.com
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Paulinus Anaedu, Dechant von Eferding und Pfarrer für sieben Pfarren.
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Martin Brait, Dekanatsassistent von Schärding.
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Iris Gumpenberger, ehrenamtlich in der Dekanatsleitung engagiert
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Zarko Prskalo, Dechant von Linz-Nord
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Regina Nagler, Dekanatsassistentin von Weyer
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