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Inhalt:
Interview

Dekanatsleitung Unterweißenbach: „Wir dürfen als Kirche nicht fad sein“

KIRCHE_OÖ

Im Interview sprechen Dekanatsassistentin Birgit Brunner und Dechant Hans Resch über Kirchenbesuch, Ehrenamt und eine begeisternde Kirche  in Unterweißenbach.

Ausgabe: 24/2023
13.06.2023
- Paul Stütz
Ein Trio für das Dekanat Unterweißenbach: Dekanatssekretärin Elisabeth Kriener, Dechant Hans Resch und Dekanatsassistentin Birgit Brunner (von links)
Ein Trio für das Dekanat Unterweißenbach: Dekanatssekretärin Elisabeth Kriener, Dechant Hans Resch und Dekanatsassistentin Birgit Brunner (von links)
© KIZ/PS

Was charakterisiert das Dekanat Unterweißenbach? Wie ist die Verbindung zwischen Bevölkerung und Kirche?


Resch: Kurz gesagt: je tiefer man ins Mühlviertel hineinfährt, desto größer ist die Kirchenbindung. Es gibt bei uns noch relativ viele Leute, die sonntags in die Kirche gehen. Natürlich ist es auch bei uns weniger geworden. Ein Beispiel: Früher waren beide Sonntagsgottesdienste in Bad Zell voll, jetzt ist es so, dass man in einer Messe allein auch alle Menschen unterbringen würde. 


Brunner: Regelmäßiger Kirchenbesuch ist für mich auch, wenn manche sagen: Ich gehe zu Ostern und zu Weihnachten und wenn es Feste in der Familie gibt, in die Kirche. Auch das drückt eine Bindung zur Pfarre aus, und das müssen wir so annehmen und nicht immer nur jammern, dass die Leute sonntags nicht in die Kirche gehen. 

 

Wo wirkt die katholische Kirche überall gemeinschaftsbildend über den Kirchenbesuch hinaus? 


Brunner: Einfach, indem wir miteinander Feste feiern. Häufig geschieht das gemeinsam mit den Vereinen, die unsere Region sehr stark prägen. Viele Menschen wollen irgendwo dazugehören. Wichtig ist mir dabei: Auch kleine Gemeinschaften können tragend sein und den Menschen etwas geben für ihr Leben. Wir sollten davon Abstand nehmen, dass Gemeinschaften nur zählen, wenn sie riesengroß sind.

 

Warum sind Sie in die Seelsorge gegangen? 
 

Resch: Schon mit sieben Jahren habe ich die Messen bei uns zu Hause auf dem Bauernhof nachgespielt. Ich wollte später auf jeden Fall einmal Priester werden. Dennoch habe ich zuerst einen Beruf erlernt und als Buchhalter gearbeitet. Nach einem Autounfall, den ich glücklicherweise gut überstanden habe, kam der Wendepunkt. Die Vorstellung, bis zur Pension in der Buchhaltung zu arbeiten, konnte ich ab da nicht mehr ertragen. Ich wollte lieber mit Menschen arbeiten. Also habe ich mit 28 Jahren im alten Job gekündigt und bin Priester geworden. Geweiht wurde ich dann 1997.

 

Brunner: Ich habe in meiner Heimatpfarre Wartberg ob der Aist sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich hatte das Gefühl, als junger Mensch werde ich ernst genommen und kann meine Talente ausleben. Ich habe zuerst einige Jahre Mathematik und Religion unterrichtet und parallel dazu als Pastoralassistentin in Linz gearbeitet. Mit der Zeit wurde mir klar, dass ich mich auf die Seelsorge konzentrieren möchte. 

 

Was ist Ihnen wichtig in der Seelsorge? 


Resch: Das Schöne für mich in der Seelsorge ist, dass man für Menschen von 0 bis 100 Jahren da ist und sie in Freud’ und Leid begleiten darf. Mein Motto sind die vier ‚Ms‘: Man muss Menschen mögen. Und so versuche ich, es in der Pfarre zu leben. So wie es in meinem Primizspruch deutlich wird: ‚Wir wollen nicht Herren über euren Glauben sein, sondern Helfer zu eurer Freude.‘ Als Seelsorger und Seelsorgerinnen müssen wir schauen, dass wir die Leute zusammenbringen, integrierend wirken und nicht spalten. Ich versuche, für alle da zu sein. 


Brunner: Mir geht es darum, eine frohe Botschaft zu verkünden von einem Menschen liebenden Gott. Und zum Leben gehört dazu, dass man Fehler macht, dass man scheitert. Als Kirche dürfen wir in diesen Situationen nicht moralisieren. Wir sollen den Menschen das Gefühl geben: Du bist nicht allein, wir bestärken dich. 

 

Die katholische Kirche setzt stark auf ehrenamtliche Beteiligung, auch in der Leitung von Pfarren. Wie ist hier die Lage im Dekanat?


Brunner: Es engagieren sich sehr viele Ehrenamtliche, auch in Bereichen, in denen das in unserem Dekanat vor ein paar Jahren kaum denkbar war. So gibt es in manchen Pfarren Wortgottesfeierleiter:innen, die regelmäßig zum Einsatz kommen. Die Firmvorbereitung wird in einigen Pfarren mittlerweile rein von Ehrenamtlichen geleitet. Wir sind da also grundsätzlich auf einem guten Weg, Nachholbedarf gibt es aber bei den Seelsorgeteams, bei denen Ehrenamtliche Leitungsverantwortung in der Pfarre übernehmen. Diese müssen sich in den Pfarren erst finden. 


Resch: Die Leute glauben, dass sie im Seelsorgeteam für längere Zeit gebunden sind und nicht so leicht als Ehrenamtliche aufhören können. Die Skepsis müssen wir noch abbauen.


Welche gesellschaftlichen Herausforderungen sehen Sie, auf die die Kirche reagieren sollte? 
 

Brunner: Wenn wir als Kirche glaubwürdig bleiben wollen, dann müssen wir auf gesellschaftliche Probleme reagieren: etwa für Menschen, die von Armut betroffen sind, Partei ergreifen, sie finanziell unterstützen, mit Sozialeinrichtungen zusammenarbeiten. Die seelische Not unserer Mitmenschen darf uns nicht gleichgültig sein. Wir müssen uns für den Frieden im Kleinen und im Großen einsetzen. Klimaschutz muss uns auch in den Pfarren ein großes Anliegen sein.


Resch: Die Pfarre Bad Zell ist seit Oktober 2022 Klimabündnis-Pfarre. Schon 2007 haben wir unser Pfarrzentrum energiesparend saniert und erweitert und Pfarrhof und Pfarrheim mit klimaschonender Nahwärme, Strom aus der Photovoltaikanlage und mit lokalem Ökostrom versorgt. Schön, dass sich mit Beginn der neuen Pfarrgemeinderatsperiode auch ein neues Fachteam ‚Schöpfungsverantwortung‘ gebildet hat, das sehr engagiert arbeitet.

 

Was ist der Wunsch für die Zukunft der katholischen Kirche?


Resch: Dass wenigstens Frauen zu Diakoninnen geweiht werden können, wäre ein wichtiger Schritt. Es gibt aber leider einen Reformstau in der Kirche. Von Rom können wir uns nichts erwarten. Reformen gehen nur von der Basis aus, hat die Geschichte gezeigt. Wünschenswert wäre auch, dass die Diözesanleitungen und die Bischofskonferenz mutig sind und sich trauen, zu politischen Themen Stellung zu beziehen. 


Brunner: Wir dürfen als Kirche nicht fad sein, damit wir andere Menschen begeistern können. Wenn uns das gelingt, sehe ich auch positiv für die Zukunft der katholischen Kirche. Ich hadere nach wie vor mit dem Thema Frauen in der Kirche und der fehlenden Gleichberechtigung. Es ist höchste Zeit, dass sich das ändert.

 

Mehr aus dem Dekanat Unterweißenbach lesen Sie im Regionalmedium, welches anlässlich der Visitation durch die Leitung der Diözese Linz herausgegeben wurde: 

 

 


 

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