Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Wenn auch die wenigsten Österreicher:innen direkten Kontakt zu Bolivien haben, besteht für die meisten Landsleute ein Bezug zu dem südamerikanischen Land. Denn in Smartphones und Computern, in Solaranlagen und Akkusystemen findet sich der Rohstoff Lithium, der in vielen Fällen aus Bolivien stammt.
Über den negativen Einfluss des Rohstoffabbaus auf indigene Gemeinschaften berichteten bolivianische Aktivistinnen bei einem Vortragsabend an der Katholischen Privat-Universität Linz (KU), die eine ihrer Stationen in Österreich war. Verschmutztes Wasser, kontaminierte Lebensmittel und ungleich verteilte Gewinne aus dem Export von Mineralien bedrohten vielerorts die Lebensgrundlagen, so die Gäste aus Bolivien, die auf Einladung des Welthauses Österreich über ihre Lebensrealitäten informierten.
Die Anthropologin und Psychologin Alicia Cuiza Churqui erzählte in Linz von der Arbeit des Centro de Ecología y Pueblos Andinos (CEPA) in der Region des Poopó-Sees, wo Umweltzerstörung und Klimawandel den indigenen Gemeinschaften zunehmend die Lebensgrundlage entziehen.
Die Verschmutzung durch den Bergbau, industrielle Wasserentnahme und ausbleibende Niederschläge haben den See nahezu austrocknen lassen. Die Verantwortung, die Gemeinschaften zusammenzuhalten, laste vielfach auf den Frauen. Gemeinsam mit ihnen entwickle das CEPA Strategien für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen; zugleich eröffne die Vermarktung indigenen Kunsthandwerks neue Einkommensmöglichkeiten und stärke kulturelle Identität. Angesichts verletzter Rechte auf Wasser, Land und Leben handle es sich nicht um freiwillige Alternativen, sondern schlicht um „Überlebensstrategien“.
Die Agraringenieurin Erika Rojas betonte, dass die Arbeit mit Frauen vor Ort die Verteidigung einer gesamten Kultur sei. Empowerment und Selbstbestimmung der Frauen würden eine Schlüsselrolle spielen.
An die Verantwortung der Menschen im globalen Norden appellierte Cuiza Churqui nachdrücklich: „Wir leben in einem gemeinsamen Haus, das wir nur gemeinsam bewahren können.“

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>