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Neuer Wiener Erzbischof Josef Grünwidl

„Gott braucht mich nicht perfekt, sondern verfügbar“

KIRCHE_ÖSTERREICH

Freundlich, offen und gut aufgelegt präsentierte sich der neu ernannte Wiener Erzbischof Josef Grünwidl als Seelsorger, Teamplayer und Brückenbauer.

Ausgabe: 43/2025
21.10.2025
- Das Gespräch führte Sophie Lauringer, Chefredakteurin „Der Sonntag“ Wien
Der neu ernannte Erzbischof von Wien, Josef Grünwidl, mit seinem Amtsvorgänger Christoph Schönborn.
Der neu ernannte Erzbischof von Wien, Josef Grünwidl, mit seinem Amtsvorgänger Christoph Schönborn.
© Erzdiözese Wien/Schönlaub

Herr Erzbischof, was möchten Sie den Menschen sagen?
Josef Grünwidl: Ich möchte gerne ein Bischof sein für alle Menschen. Ich bin auch überzeugt, die Kirche leistet einen ganz wichtigen Beitrag für das gesellschaftliche Miteinander in diesem Land, da will ich mich gerne einbringen. Ich lade alle sehr gerne ein, mitzumachen.

 

Sie wurden lange als „Herr Pfarrer“ angesprochen, jetzt für einige Zeit auch als „Herr Administrator“. Wie schnell gewöhnen Sie sich persönlich an diese neue Anrede „Herr Erzbischof“? 
Grünwidl: Es wird noch ein Weilchen dauern, bis ich mich daran gewöhne. Das klingt für mich noch etwas ungewohnt. Ich habe erst vor ein paar Tagen erfahren, dass Papst Leo entschieden hat, dass ich die Leitung der Erzdiözese Wien übernehmen soll.
 
Stichwort Papst Leo: Wann werden Sie nach Rom fahren?
Grünwidl: Ich habe noch keinen Termin, aber sicher werde ich in der nächsten Zeit auch in Rom sein, damit der Papst mich persönlich kennenlernen kann.

 

Haben Sie ihn schon einmal getroffen?
Grünwidl: Ganz kurz, als er im November des Vorjahres hier im Haus war – da war er zu Besuch bei Kardinal Schönborn. Aber ich kann nicht sagen, dass wir uns persönlich kennen.

 

Ihre nunmehrige Entscheidung, das Amt des Erzbischofs zu übernehmen, folgt einem Muster, dass Sie bereit sind, Ämter anzunehmen. Sie haben einmal das Motto gesagt, „Gott hat mich immer wieder überrascht und herausgefordert.“ Ist es jetzt wieder so? 
Grünwidl: Ja, auf jeden Fall ist das jetzt wieder so. In den letzten Monaten als Administrator, als Verwalter der Erzdiözese, hat mich überrascht, dass ich gemerkt habe, dass es bei sehr vielen Menschen eine Erwartungshaltung gab: „Bitte übernimm diese Aufgabe!“ Das hat mir auch in unseren Gesprächen der Apostolische Nuntius nahegelegt: „Überlegen Sie doch: Wenn sich das so viele und auch der Papst wünschen – warum sagen Sie ‚Nein‘?“
Ich habe ja nicht „Nein“ gesagt zu dieser Aufgabe, weil ich das einfach nicht wollte, sondern aus großem Respekt vor diesem hohen Amt und auch vor den großen Herausforderungen, dem Anforderungsprofil. Ich habe aber gelernt, Gott braucht mich nicht perfekt, sondern verfügbar. Und ich kann jetzt auch aus vollem Herzen „Ja“ sagen zu dieser Aufgabe. Ich wünsche mir und ich hoffe, dass ich als Bischof hier in der Erzdiözese Wien nicht im Management und in reinen Verwaltungsaufgaben aufgehe, sondern dass ich weiterhin Seelsorger bleiben, nahe bei den Menschen sein kann.

 

Hatten Sie eigentlich eine Art Berufungserlebnis? 
Grünwidl: Es ist bei mir gewachsen. Ich hatte in meiner Kindheit als Ministrant in meiner Heimatpfarre schon immer eine Faszination für Liturgie, für Kirche, für Kirchenmusik. Das hat mich immer schon interessiert. Die eigentliche Berufung hat sich erst nach der Matura und in den Jahren des Theologiestudiums entwickelt. Die letzte Entscheidung ist in meinem Auslandsjahr in Würzburg gefallen, wo ich auch in einer Pfarre mitarbeiten durfte. Da habe ich gesagt: ‚Das ist meine Berufung: Ich möchte in der Kirche für die Menschen und für Christus arbeiten.‘
Und als ich dann von Würzburg zurückgekommen bin, hat es mich noch einmal bestärkt, als ich gefragt wurde, Zeremoniär von Weihbischof Krätzl (1931–2023) zu werden. Ich war dann zwei Jahre mit ihm unterwegs, auch bei vielen Pfarrbesuchen, und habe auch sehr viele Kontakte mit Pfarrgemeinden und Menschen gehabt –  und da ist noch einmal klarer geworden: Das ist mein Weg, als Priester bei den Menschen zu sein und Kirche zu leben.
 

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