Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
Fortbildung in einem kleinen Rahmen. Ein älterer Herr, sehr freundlich in der Pause, referiert. Wir Christen und Muslime müssten zusammenhalten gegen die Verfälschung Abrahams durch die Juden. Ich beginne innerlich zu kochen. Hand hoch: „Nein, wir alle stehen in der Tradition Abrahams und Juden in besonderer Weise. Nostra Aetate, die Erklärung des Konzils zu den nicht-christlichen Religionen, hat das deutlich dargelegt.“ Der evangelische Kollege neben mir bedankt sich leise: „Zum Glück habt ihr ein Lehramt!“
Jede Gemeinschaft braucht Regeln und muss Grenzen ziehen. Von Beginn an gab es in der Kirche Diskussionen über die richtige Lehre, wer diese festlegt und welche Kriterien gelten. Petrus und Paulus streiten schon, ob die jüdischen Speisegebote auch für die nichtjüdischen Getauften gelten. Jedes Zeitalter bringt neue Konflikte. Mit der Zeit kristallisiert sich das Bischofsamt als wesentlich für Entscheidungen heraus. Der Bischof von Rom, der Papst, wird zum wichtigsten Bischof. Der Papst und die Bischöfe, besonders, wenn sie in einem Konzil vereint sind, haben in Gemeinschaft die Aufgabe, das Wort Gottes zu hören, zu bewahren und verbindlich auszulegen – im Gespräch mit den Gläubigen.
Das Lehramt der katholischen Kirche ist ein Dienst am Wort Gottes und der Gemeinschaft. Es legt Leitplanken des Glaubens vor, sichert den Weg der Gläubigen durch die Wirren der Zeit. Juden als Verfälscher Abrahams? Nein, damit wird eine klare lehramtliche Grenze überschritten. Das Konzil hat gesprochen.
Das Lehramt ist ein Dienstamt. Doch die Geschichte zeigt, dass die Kirche dem nicht immer gerecht geworden ist. Vor allem im 19. Jahrhundert kam es zu Drohungen und Strafen, um die „absolute katholische Wahrheit“ durchzusetzen. Das Zweite Vatikanum versuchte, wieder den Dienst- und Gemeinschaftscharakter des Lehramts zu stärken.
Auch heute erweist sich, wie wichtig ein vertrauenswürdiges Lehramt ist, das in klaren Worten und Werken den Glauben und die Gemeinschaft der Gläubigen bewahrt und die Grenze zieht vor dem Missbrauch Gottes. Mit Autorität, ohne autoritär zu werden. In immer neu zu suchender Treue zum Auftrag Jesu.

Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.

Birgit Kubik, 268. Turmeremitin, berichtet von ihren Erfahrungen in der Türmerstube im Mariendom Linz. >>
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