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Was glauben Sie eigentlich: Ist Gott tot?!

GLAUBENS_GUT

Das ist doch die völlig falsche Frage für den Fasching!

Überall Glitzer, Girlanden, Deko. Etwas mehr an Sekt, Champagner und Krapfen geht noch. Unsere dopamingesteuerte Gesellschaft braucht den Kick. Je schräger, je lauter, je hipper, umso besser.

Ausgabe: 05/2026
27.01.2026
- Michaela Quast-Neulinger
© moerschy auf Pixabay

Und umso näher an Gott? Oder ist dieser Gott nicht längst tot, erstickt zwischen Einkaufswagen und Müllbergen? Untergegangen zwischen Klicks? Gott ist tot, es leben die Götzen?!

 

Süchtig nach dem Klick


Nein, so ist es nicht. „Nicht Gott ist tot. Tot ist der Mensch, dem sich Gott offenbarte“, schreibt der Philosoph Byung-Chul Han in seinem neuesten Buch „Über Gott reden“. Ich denke, er hat recht.

 

Nicht Gott ist tot, sondern wir Menschen sind abgestumpft. Taub geworden vom permanenten Marktgeschrei. Ferngesteuert von Smartphones, Apps und Algorithmen, die darauf abzielen, uns süchtig zu machen nach dem nächsten Dopamin-Kick. Unser Belohnungszentrum im Gehirn braucht den Like, den Smiley, die Follower. Schnell noch mal schauen, schnell noch vergleichen, schnell noch die Nachrichten checken.


Taub und blind geworden


Nicht Gott ist tot. Tot sind eventuell wir Menschen. Gefühllos, klick- und konsumgesteuert. Zugemüllt von Lügen und der Sprache des Hasses, werden wir taub und blind für das Wort des Lebens.

 

Schweigend zum Frieden


Aber vielleicht ist nicht alles verloren! Wenn Gott nicht tot ist, gibt es Hoffnung auch für das härteste menschliche Herz. „Die Stille ist die Hebamme des Neuen“, so Byung-Chul Han. Im stillen Blick, in der tiefen Aufmerksamkeit beginnt das neue Leben. Für die Mystikerin Simone Weil ist es dieser Blick, die nackte Aufmerksamkeit, das einfache Dasein und Schauen, das uns rettet. Eine Aufmerksamkeit, die den Weg zum Frieden öffnet. Schweigend.

 

Gott lebt


In der Stille verändert sich die Welt für immer. Ein Neuanfang ohne Worte. Paul Gerhardt schrieb im 17. Jahrhundert Worte der stillen Anbetung des neugeborenen Jesuskindes: „Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.“ Gott lebt – und wartet auf uns, um uns zum Leben zu führen.

Michaela Quast-Neulinger, Ass. Professorin am Institut für Systematische Theologie in Innsbruck
Michaela Quast-Neulinger, Ass. Professorin am Institut für Systematische Theologie in Innsbruck
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