In der Reihe Kunst & Geschichte_n stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben.
Die abschlossene Reihe "alt & kostbar" finden sie hier.
Hermine Aigner aus Kirchdorf am Inn lebt seit 13 Jahren in Rom und arbeitet dort am Österreichischen Kulturforum. Als Vizedirektorin prägt sie das Programm dieser Institution, die den kulturellen Dialog zwischen Österreich und Italien fördert. Mit Fachkompetenz, Leidenschaft und einem beeindruckenden Netzwerk bringt sie innovative Kunst aus Österreich in die „città eterna“.
Der Weg nach Rom begann mit einer Spontanbewerbung. Zuvor war Aigner als Lokaljournalistin in Oberösterreich tätig. Heute ist ihr Arbeitgeber die österreichische Botschaft, aber mit einem italienischen Vertrag. Während die Direktor:innen des Hauses alle vier Jahre wechseln, steht Aigner für die fachliche Kontinuität: „Jeder Wechsel bringt neue Impulse, meine Aufgabe sehe ich in der strategischen Vernetzung, Programmplanung und -organisation“, beschreibt Aigner ihre Aufgaben.
Das Österreichische Kulturforum fungiert als Drehscheibe und Brücke zugleich: Ziel ist die Exportförderung österreichischer Kultur und der nachhaltige Kulturaustausch mit Italien. Gemeinsam mit Direktorin Teresa Indjein verantwortet Aigner die Programmplanung, den Aufbau von Netzwerken, die organisatorische Umsetzung von Projekten und die Betreuung von Künstler:innen. Dazu gehören auch Kontakte zu Galerien, Konzerte in Veranstaltungshäusern, Kooperationen mit Festivals in ganz Italien. Ein Gästezimmer steht Kulturschaffenden zur Verfügung, die auf Vorschläge von Partnern wie der Österreichischen Gesellschaft für Literatur oder den Bundesländern untergebracht werden, die Abwicklung erfolgt über das Außenministerium.
Langjährige italienische Partner sind u. a. die Galerie Sala 1 in Rom, Filmfestivals in Palermo und Florenz, ein Fotofestival in Kalabrien und mehrere Musikfestivals in Süditalien. Ziel ist es, österreichischen Künstler:innen nachhaltige Kontakte zu ermöglichen und echten Austausch zu schaffen.
Aktuell begibt sich die Künstlerin Iris Andraschek für ein Projekt der Großpfarre Urfahr-St.Junia Linz auf die Spuren der Apostolin Junia (siehe Beitrag rechts). An drei Wirkungsstätten sammelt sie Holz, um daraus Pilgerstäbe für acht Pfarren zu fertigen.
Ihre erste Station führte sie nach Rom. Dank der Unterstützung von Hermine Aigner konnte sie Holz aus dem Garten des Kulturforums, aus dem Caffarella Park und aus dem Privatgarten einer Österreicherin im Norden der Stadt sammeln, ein konkretes Beispiel für die unbürokratische und engagierte Hilfe dieser Kultur-Institution.
Auch der musikalische Nachwuchs profitiert: Das Pre-College des Mozarteums Salzburg ist im September zu Gast und tritt neben Lucca, Siena und Florenz auch in Rom auf. Diese Projekte eröffnen jungen Talenten internationale Erfahrung und Sichtbarkeit.
Das Kulturforum ist auch Veranstaltungsort. Am 5. März präsentierte Doris Schmidauer – gebürtig aus Peuerbach – ihr Buch „Land der Töchter zukunftsreich“. Noch bis 13. März ist die Ausstellung „Sementeryo“ von Melissa Peritore, einer in Wien lebenden Fotokünstlerin, zu sehen. Es werden aktiv Künstler:innen verschiedener Sparten eingeladen, zugleich können sich Kulturschaffende auch direkt im Kulturforum melden. Im Haus ist zudem das Österreichische Historische Institut untergebracht, Teil der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Forschende finden hier Unterbringungsmöglichkeiten und Zugang zur größten österreichischen Bibliothek außerhalb des Staatsgebiets. Ein weiterer Baustein österreichischer Kultur- und Wissenschaftspräsenz in Rom.
Vom Büro aus blickt Aigner auf die Pinien der Villa Borghese. Rom inspiriert mit seinem Kunst- und Kulturreichtum, doch der Alltag ist herausfordernd: ausufernde Bürokratie, Müllprobleme, chaotischer Verkehr, Luftverschmutzung, Schlaglöcher und fehlende Radwege. Die steigende Zahl an Touristinnen und Touristen verschärft die Situation.
Aigner, die sich als Europäerin versteht, vermisst die ruhigen Naturräume Oberösterreichs. „Es sind immer und überall viele Menschen“, sagt sie. Zudem fehlt ihr eine klare politische Zukunftsvision für die Stadt. Dem Alltag begegnet sie mit Realismus und europäischem Weitblick: Ein Plan B sei stets ratsam, denn verlässliche, langfristige Planung zählt nicht zu den Stärken des Systems. Mit ihrer Arbeit baut Hermine Aigner täglich Brücken, zwischen Ländern, Institutionen und Menschen, zwischen Österreich und der Ewigen Stadt, zwischen Tradition und Gegenwart.
Kontakt: Österreichisches Kulturforum Rom, V.le Bruno Buozzi 113 – 00197 Roma, rom-kf@bmeia.gv.at, Tel. +39 06 3608371, www.austriacult.roma.it/de
In der Reihe Kunst & Geschichte_n stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben.
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