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Von der Kunst, neue Zugänge zu finden

KULTUR_LAND

„Neue Zugänge“ zeigt die jüngsten Ankäufe der Kunstsammlung des Landes. Erstmals kuratiert hat die Ausstellung Maria Reitter-Kollmann, selbst ein Neuzugang.

Ausgabe: 24/2026
09.06.2026
- Claudia Riedler-Bittermann
Künstlerin Astrid Esslinger (links) mit Sammlungsleiterin Maria Reitter-Kollmann (rechts) und Landeshauptmann Thomas Stelzer.
Künstlerin Astrid Esslinger (links) mit Sammlungsleiterin Maria Reitter-Kollmann (rechts) und Landeshauptmann Thomas Stelzer.
© Andreas Röbl / Land OÖ

In den Art Spaces der Kunstsammlung im Linzer Ursulinenhof ist derzeit die Ausstellung „Neue Zugänge“ zu sehen. Sie präsentiert die Werkankäufe des Landes Oberösterreich aus dem Jahr 2025. „Die präsentierten Arbeiten zeigen die Vielfalt und Dynamik der zeitgenössischen Kunst in Oberösterreich“, sagte Landeshauptmann Thomas Stelzer bei der Eröffnung.


Kuratiert wurde die Ausstellung von Maria Reitter-Kollmann, der neuen Leiterin der Kunstsammlung Oberösterreich. Die Obfrau des Diözesankunstvereins gilt als ausgewiesene Expertin der oberösterreichischen Kunstszene und verfügt auch international über ausgezeichnete Kontakte im Kulturbetrieb. 


Nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der JKU Linz promovierte sie an der Katholischen Privat-Universität Linz über Art Brut und die Kunst von Menschen mit Behinderungen. Sie war als freie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Oberösterreichischen Landes-Kultur GmbH tätig, leitete ab 2005 das Marketing- und Veranstaltungsmanagement der Caritas OÖ und kuratierte die Galerie „Raum der Mitte“.

 

Lebendige Sammlung


„Ich bin also selbst ein Neuzugang dieser Institution. In diesem Sinne erzählt diese Ausstellung von den Werkankäufen ebenso wie von einem Prozess des Ankommens, des Kennenlernens und des gemeinsamen Weiterentwickelns“, sagt Reitter-Kollmann. „Die unmittelbare Arbeit mit den Kunstwerken, mit Räumen, Blickachsen, Nachbarschaften und Spannungsverhältnissen hat mir gezeigt, wie lebendig eine Sammlung sein kann: als dynamischer Organismus, der sich ständig erweitert, verändert und neu befragt.“


Die Ausstellung präsentiert insgesamt 75 Arbeiten von 52 Künstler:innen. Von Malerei über Skulptur und Fotografie bis hin zu Mixed-Media-Arbeiten bildet sie ein breites Spektrum künstlerischer Techniken ab. Gemeinsam spiegeln die Werke aktuelle künstlerische Entwicklungen ebenso wider wie gesellschaftliche, kulturelle und mediale Veränderungen.


Für Kuratorin Maria Reitter-Kollmann liegt darin die besondere Stärke der Ausstellung. Mit der Zusammenstellung der Arbeiten macht sie diese Entwicklungen sichtbar und eröffnet neue Blickwinkel auf die Gegenwart. „Neue Zugänge“ lasse sich deshalb bewusst mehrdeutig lesen. Denn jede Veränderung bringe neue Zugänge mit sich: neue Sichtweisen, neue Begegnungen sowie neue Formen des Arbeitens und Denkens.


Ein „neuer Zugang“ zeigt sich zudem in der Gestaltung der Ausstellung selbst. Da die beiden Art Spaces räumlich begrenzt sind, ließ die neue Leiterin eigens ein modulares Ausstellungssystem entwickeln. „Es trägt Bilder und Objekte und schafft zusätzliche räumliche Ebenen und Blickachsen“, erklärt sie. Gestrichen ist es in Lila – einer Farbe, die für Reitter-Kollmann sinnbildlich für Erneuerung und Veränderung steht und damit das Leitmotiv der Ausstellung aufgreift.

 

Dramaturgie


Die Dramaturgie der Ausstellung habe sich aus einer Arbeit heraus entwickelt, erzählt die Kuratorin: „Die wunderbare Marmorarbeit von Arnold Reinthaler – NICHT ICH – bildet den Ausgangspunkt für einen Ausstellungsraum, der sich mit Fragen von Identität, Selbstbildern und Veränderungsprozessen auseinandersetzt.“


Ein zweiter Werkkomplex widmet sich der Natur. Ausgehend von Linda Luses Arbeit „Homescreen“ eröffnen sich Bildräume voller Gärten, Blumenlandschaften, Seen und Tierbegegnungen. Natur erscheine dabei als Erfahrungsraum, Erinnerungsspeicher und lebenswichtiges Gegenüber des Menschen.


Im Hauptraum schließlich treten unterschiedliche künstlerische Haltungen und Ausdrucksformen in einen offenen Dialog. 

 

Kunst für zu Hause

 

Ausgangspunkt ist die Arbeit „Untertauchen“ von Ekaterina Fischnaller. Das Werk erzähle „von Mut, von dem Moment des Sich-Einlassens und davon, dass Freiheit oft erst dort entsteht, wo wir bereit sind, Unsicherheit zuzulassen“. Das Untertauchen werde so zu einem Bild für Vertrauen, Erfahrung und Transformation.


Die Ausstellung dauert noch bis 12. Juni, danach beginnt ein weiteres Kapitel für die neuen Werke der Kunstsammlung. Ein Teil der Arbeiten wird über die Artothek öffentlich zugänglich und entlehnbar sein, andere als Dauerleihgaben in Landesgebäuden gezeigt. „Auf diese Art werden sie den Alltag vieler Menschen begleiten“, sagt Reitter-Kollmann.


Dass Kunst nicht nur gesammelt, sondern auch sichtbar gemacht werden soll, gehört zum Grundgedanken der Kunstsammlung. Mehr als 10.000 Werke umfasst ihr Bestand, viele davon können über die Artothek ausgeliehen werden. 


„Denn Kulturförderung bedeutet nicht nur Unterstützung, sondern auch Sichtbarkeit“, betont Landeshauptmann Stelzer. „Mit den Werkankäufen geben wir Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne und schaffen gleichzeitig einen bleibenden kulturellen Mehrwert für Oberösterreich.“
 

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