In der Reihe Kunst & Geschichte_n stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben.
Die abschlossene Reihe "alt & kostbar" finden sie hier.
Herr Jelicic, wie würden Sie Padre Guilhermes Musik beschreiben?
Christian Jelicic: Es ist elektronische Tanzmusik, genauer melodischer Techno der emotionalen Schule. Nicht der harte, industrielle Techno-Stil. Es ist Musik, die zum Mitsingen einlädt, das ist bei elektronischer Tanzmusik selten.
Interessant ist, dass Padre Guilherme sakrale Melodien nimmt und sie in ein neues Klanggewand setzt. Es ist ein respektvoller Umgang mit traditioneller Musik.
Warum wird Padre Guilherme als DJ bezeichnet? Er wählt ja nicht nur Titel aus und fügt sie stimmungsvoll zusammen, sondern lässt neue Musik entstehen.
Jelicic: In der elektronischen Musik können DJs beides sein: Einerseits kann es heißen, fertige Tracks auszuwählen, zu mischen und zu überblenden. Andererseits heißt es auch, Klänge selber zusammenzubauen, quasi zu komponieren. Der Ausdruck „produzieren“ ist in diesem Bereich geläufiger.
Padre Guilherme ist in diesem Sinn Produzent von Überarbeitungen bekannter Stücke. Das Besondere an ihm ist der Inhalt der Stücke und der Kontext, in dem sie produziert werden.
Bei den Shows von Padre Guilherme geht es mitunter sehr laut zu. Empfehlen Sie für empfindliche Ohren Ohrstöpsel? Oder gehört es dazu, dass man sich der Lautstärke aussetzt?
Jelicic: Wir stellen bei unserer Veranstaltung Gehörschutz zur Verfügung. Allerdings muss ein großer Klang kein penetranter Klang sein. Mit schlechten Lautsprechern sticht es schnell in den Ohren, auch wenn sie nicht sehr laut aufgedreht sind. Mit einer guten Soundanlage ist es eine runde Wucht. Und unser Technikteam in Mörbisch ist wirklich phänomenal.
In Mörbisch werden normalerweise Operetten oder Musicals gespielt. Passt der Technosound auf die Seebühne?
Jelicic: Es ist nicht das erste Mal, dass elektronische Musik auf der Seebühne gespielt wird. Ich bin überzeugt, dass das sehr gut passt.
Es wird am Nachmittag auf der Seebühne auch eine heilige Messe geben. Wie passt das zusammen?
Jelicic: Die Frage ist umgekehrt: Inwiefern passt das nicht zusammen? Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass die Performance von Padre Guilherme kein Gottesdienst ist. Das sind zwei Paar Schuhe.
Die Frage erinnert mich an durchaus berechtigte Sorgen mancher Kritiker, dass die Kirche dem Zeitgeist nachläuft und an Substanz verliert. Neue Formen müssen aber keine Gegner der Substanz sein.
Also: Zuerst werden wir uns gemeinsam um den Altar versammeln, und aus diesem Gottesdienst, der die Mitte von allem ist, fließt alles andere.
Ich habe mir einige Shows auf YouTube angesehen, da taucht auf der Bühne manchmal eine riesige, leuchtende Taube auf. Ist das nicht kitschig?
Jelicic: Ja, die Friedenstaube. Tauben sind generell in der katholischen Kirche nichts Neues. Aber man darf offen sagen, dass das nicht jeder mögen muss. Genau diese Toleranz ist das, was in der Weltkirche viel gelebt wird. Man darf nicht meinen, dass alles, was nicht mein Geschmack ist, automatisch nicht christlich ist.
Wie vermittelt Padre Guilherme in dieser Musik die Botschaft des Glaubens und Vertrauens?
Jelicic: Ganz stark durch das Visuelle, die Symbolik: das Kreuz, die Taube und die christlichen Botschaften, die über das Sichtbare übertragen werden. Und in der Musik durch die Texte, die vorkommen. Denn die Texte, die er wählt, sind sehr stark im Katholizismus verwurzelt.
Wie ist Padre Guilherme als Mensch?
Jelicic: Ich nehme ihn als eine warmherzige, fröhliche und optimistische Person wahr. Wenn man seine Biografie liest: Er war als Seelsorger auch an Kriegsfronten in verschiedenen Teilen der Erde im Einsatz. Und trotzdem hat er einen starken Optimismus. Was er mitträgt, ist eine Botschaft an die Jugend, in der er sagen möchte: „Ich bin dankbar, Christ zu sein, und ich bin auch stolz, Christ zu sein.“
Was meinen Sie: Warum ist diese Show manchen Gläubigen trotzdem suspekt?
Jelicic: Es ist nicht selbstverständlich zu tanzen als Christ. Ich bin kein Theologe, ich bin Musiker. Ich will nicht mit Bibelzitaten um mich werfen. Aber die Bibel ist voller Trommeln, Reigen und Tanz. Von König David wird gesagt, dass er mit aller Kraft vor dem Herrn tanzte. Tanz ist ein menschliches Grundbedürfnis. Man sieht schon bei Babys und Kleinkindern, wie sie auf rhythmische Impulse antworten. Das liegt in uns Menschen.
Leider wird das oft getrennt: Wenn etwas christlich ist, muss man stillsitzen oder knien oder stehen, aber nicht tanzen. Ich glaube, dass die Kirche groß genug ist, sowohl für Techno als auch für die Haydn-Messe.
Für mich als Kirchenmusiker ist die klassische Kirchenmusik ein Schatz, den ich mit ganzer Kraft hüte. Aber ein Schatz wird nicht kleiner, wenn jemand in einer neuen Sprache dasselbe sucht, was uns bewegt.
Was fasziniert die Menschen, die Padre Guilherme zu Zehntausenden zuhören?
Jelicic: Leider haben gerade junge Menschen oft das Bild, dass Glaube mit Verbot, Scham und Enge verbunden ist. Und dann steht da einer, der nicht mit erhobenem Zeigefinger kommt, sondern sagt: Deine Freude, dein Tanz, dein Körper – das ist kein Widerspruch zu Gott. Du darfst feiern und trotzdem glauben. Das ist etwas, was, glaube ich, für viele lange gefehlt hat.
Guilherme Guimarães Peixoto wurde 1974 in Portugal geboren. Bereits im Priesterseminar spielte Musik eine wichtige Rolle. Er war Mitglied einer Pop-Rock-Band. Am 11. Juli 1999 wurde er für die Erzdiözese Braga zum Priester geweiht.
Seit 2001 ist Padre Guilherme Pfarrer von Amorim und seit 2005 von Laúndos.
Militärkaplan und Oberstleutnant
Parallel zu seiner Tätigkeit als Pfarrer ist Guilherme Peixoto seit 2001 als Militärseelsorger tätig. Prägend waren Einsätze in Afghanistan und im Kosovo.
DJ und Produzent elektronischer Musik
2006 trat er erstmals als DJ auf und absolvierte eine DJ-Ausbildung in Porto. Während der Corona-Pandemie begann er, DJ-Livestreams zu veranstalten. Seine Sets verbinden Techno und elektronische Tanzmusik mit traditionellen und sakralen Klängen.
Influencer
Den Durchbruch erlebte Padre Guilherme am Weltjugendtag 2023 in Lissabon. Dort spielte er vor einer riesigen Menschenmenge und wurde als „DJ-Priester“ bekannt. Seither tritt er bei Festivals mit hunderttausenden Gästen auf und ist auf mehreren Social-Media-Kanälen präsent und bekannt.
Padre Guilherme versteht elektronische Musik als ein modernes Mittel der Begegnung und möchte damit eine Botschaft von Glauben, Frieden, Hoffnung und Lebensfreude vermitteln.
Konzert „Cross Pulse Pannonia –
The Sound of Hope“
Samstag, 12. September 2026
Seebühne Mörbisch, am Neusiedler See
14 Uhr: Seebadwiese, kostenloses Vorprogramm
16 Uhr: Einlass zur Seebühne, Tickets online (20 €)
17 Uhr: Seebühne, Heilige Messe
18.30 Uhr: Seebühne, Vorprogramm
20.30 bis 22.30 Uhr: Hauptact mit Padre Guilherme
Gewinnspiel – Wir verlosen 2 mal 2 Karten!
Schicken Sie ein Mail mit Betreff „Padre Guilherme“ bis 8. September an office@koopredaktion.at.
Info und Tickets:
www.martinus.at/pages/crosspulsepannonia
Überschuss geht an die Caritas der Diözese Eisenstadt.
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