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Was glauben Sie eigentlich: Was ist Meinungsfreiheit?

GLAUBENS_GUT

Theologin Michaela Quast-Neulinger schreibt über den Umgang mit unterschiedlichen Meinungen. Wo wird die Würde von Menschen verletzt?

Ausgabe: 06/2026
03.02.2026
- Michaela Quast-Neulinger
© Gundula Vogel auf Pixabay

„Die Frauen mit ihren Frauenrechten! Familien zerstören sie. Eine Frau gehört an ihren Platz, und der ist daheim. Sie können nix, aber die Frauenquote muss erfüllt sein!“ „Recht hast du, das muss einmal gesagt werden. Die verbieten uns den Mund! Über Frauen, Ausländer, die LGBTQ-ler und die WHO.“ Am Stammtisch, im Bus und besonders im Internet kann es zur Sache gehen. Darf man aufgrund der Meinungsfreiheit alles behaupten?

 

Die Würde jeder Person


Das Recht auf freie Meinungsäußerung hat in einer lebendigen Demokratie einen hohen Stellenwert. Es zeigt die Würde der Person. Die katholische Kirche hat sich lange schwergetan damit. Papst Gregor XVI. verurteilte 1832 die „maßlose Meinungsfreiheit“. 1948 stellte Art. 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte fest, dass jeder das Recht auf freie Meinungsäußerung hat.

 

Die katholische Kirche erkennt erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil an, dass Meinungsfreiheit zu den Rechten jedes Menschen gehört. Die Pastoralkonstitution erinnert, dass die Achtung von verschiedenen Meinungen eine christliche Aufgabe ist und wesentlich für das Zusammenleben. Seither hat sich die Kirche zur Anwältin der Würde der Person und der Meinungsfreiheit gemacht. Nun gibt es eine massive Herausforderung: Die Propagandamaschine der Demokratiefeinde hat „Meinungsfreiheit“ für sich entdeckt. Das Recht auf Meinungsfreiheit wird zusehends von extremistischen Kräften missbraucht, um Hass, Lüge und Verschwörungstheorien zu verbreiten. Bei Kritik daran folgt die Selbstdarstellung als Opfer.

 

Es muss stimmen


Papst Leo XIV. wies in seiner Neujahrsansprache an Diplomat:innen im Vatikan darauf hin, dass Sprache auch als Waffe gebraucht wird. „Rede- und Meinungsfreiheit“, so Leo,  werde aber „durch die Tatsache garantiert, dass jeder Begriff in der Wahrheit wurzelt“. 

 

Wichtig, sich zu bilden


Das Recht auf Meinungsfreiheit ist ein Herzstück von Demokratie. Aber dieses Recht lebt nur, wenn es Menschen in Wahrhaftigkeit praktizieren. Daraus folgt auch die Pflicht, sich umfassend zu informieren, verschiedene Blickwinkel zu achten und klar und deutlich Widerspruch einzulegen, wo Lüge und Hass unter dem Deckmantel von „Meinungsfreiheit“ verbreitet werden.

Michaela Quast-Neulinger, Ass. Professorin am Institut für Systematische Theologie in Innsbruck
Michaela Quast-Neulinger, Ass. Professorin am Institut für Systematische Theologie in Innsbruck
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Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.

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