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Was glauben Sie eigentlich: Werden Frauen eines Tages zu den Weiheämtern zugelassen?

GLAUBENS_GUT

Moraltheologe Pater Martin M. Lintner erklärt seine Sicht zum Zugang zum Weiheamt in der katholischen Kirche für Frauen. 

Ausgabe: 04/2026
20.01.2026
- Pater Martin M. Lintner
Eva Ulbrich und Andrea Gschwendtner beim Gottesdienst in der Pfarrgemeinde Urfahr-St. Markus
Eva Ulbrich und Andrea Gschwendtner beim Gottesdienst in der Pfarrgemeinde Urfahr-St. Markus
© Diözese Linz / Frauenkommission / Laurenz Kaiser

Ja, davon bin ich überzeugt, denn ich halte die biblischen und theologischen Gründe, mit denen der Ausschluss von Frauen von den Weiheämtern bislang begründet wurde, nicht mehr für plausibel.

 

In einer menschenrechtsbasierten Gesellschaft wie der unseren, in der jede Person allein aufgrund der Tatsache, Mensch zu sein, die gleiche Würde besitzt, sind sie auch nicht mehr vermittelbar. Zwar gibt es keinen Anspruch auf ein kirchliches Weiheamt und die Kirche behält sich zu Recht vor, die Berufung und Eignung von Kandidaten kritisch zu prüfen, doch kann ein Ausschluss allein aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit nicht anders als diskriminierend wahrgenommen werden. 

 

Rollen angepasst


In der frühen Kirche hatten Frauen Aufgaben inne, die ihnen später nicht mehr zugestanden wurden. Oft wurden ihre Spuren verwischt. Warum? Die Kirche breitete sich in der antiken, patriarchalischen Gesellschaft aus und musste sich, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden, wohl auch an die damaligen Geschlechterrollen anpassen. Diese erlaubten Frauen keine Führungspositionen. In einem zweiten Schritt wurde diese Anpassung theologisch legitimiert, beispielsweise mit der Begründung, dass Frauen unvollkommene und moralisch minderwertige Wesen seien. Durch die historisch bedingte patriarchale Strukturierung der Kirche wurde die Ebenbürtigkeit und gleiche Würde von Frauen und Männern innerhalb der Kirche nicht mehr verwirklicht.

 

Alle Getauften


Die Bibel lehrt uns, dass jeder Mensch, unabhängig von seiner Geschlechtszugehörigkeit, in gleicher Weise als Ebenbild Gottes geschaffen ist. Das heißt, dass jedem Menschen, egal ob männlich oder weiblich, die Aufgabe zuerkannt wird, Gott zu vergegenwärtigen (vgl. Genesis 1,26–28).

 

Innerhalb der Gemeinschaft der Kirche kommt jedem und jeder Gläubigen die gleiche Taufwürde zu, wie der Apostel Paulus schreibt: „Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid ‚einer‘ in Christus Jesus“ (Galaterbrief 3,27–28).

Pater Martin M. Lintner
Pater Martin M. Lintner
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