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Was glauben Sie eigentlich: Warum ist Maria im Christentum so bedeutsam?

GLAUBENS_GUT

Marienmonat Mai. An kaum einer Figur des christlichen Glaubens scheiden sich die Geister so sehr wie an Maria, der Mutter Jesu. Universitätsprofessorin Michaela Quast-Neulinger findet Erklärungen zur Muttergottes. 

Ausgabe: 21/2025
20.05.2025
- Michaela Quast-Neulinger
© dae jeung kim auf Pixabay

Dienende Magd, erhabene Himmelskönigin, perfekte Mutter. Die Geschichte des Glaubens ist übervoll mit Titeln, Bildern, Annäherungen an Maria. Gewaltige Streitigkeiten, die bis hin zur Kirchenspaltung führten, entfachten sich um sie. Die einen wollten sie als Christus-Gebärerin verehren, die anderen als Gottes-Gebärerin. Besonders im 19. Jahrhundert häuften sich die Marienerscheinungen, wie eine Forschungsgruppe rund um den Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf zeigte. Und heute? 

 

Die fremde Frau


Maria ist vielen fremd geworden zwischen allen Verfremdungen, die sie durch Ideologen und Fundamentalisten erleiden musste. Auch mir geht es nicht anders. Maria als Vorbild, das heißt doch: sich klein machen, gehorsam sein, sich unterwerfen, nicht aufmucken, schweigen. Oder erkennen müssen – diesem Vorbild kann ich nie gerecht werden, die perfekte Jungfrau und Mutter. Und schon hat die Falle der Unterwerfung 

zugeschnappt. Maria, das Machtinstrument der Mächtigen, das geschaffen wurde, um Menschen, insbesondere Frauen, zu demütigen und zu entwürdigen.

 

Die am Bösen leidet


Aber ein Blick in die Schrift zeigt uns eine andere Maria. Maria, die zweifelt, die fragt, die mit ihrem Kind den schwierigen Weg von der Krippe (und davor) bis zum Kreuz geht. Sie unterwirft sich nicht dem Befehl, sondern fragt den Engel zurück: „Wie soll das geschehen?“

 

Auf heute übersetzt: „Jetzt sag mal, wie stellst du dir das eigentlich vor?“ Ein Mensch, der mit Leid, Gewalt und dem Bösen dieser Welt konfrontiert ist – mit den Mächten, die ihr Kind ans Kreuz nageln. Aber dieses Böse hat nicht das letzte Wort, niemals. Die Tränen Marias sind die Tränen aller, die am Bösen leiden. Die Mutter, die Leib und Blut für ihr Kind gegeben hat, wie es eine Mutter tut, gibt nicht nach. Sie geht weiter, hält durch und bleibt in der Hoffnung, dass der Tod nicht das Letzte ist. Und sie behält Recht. Die Stärke, die Hoffnung, das Vertrauen – das macht Maria, die einfache Frau aus dem Dorf in Galiläa, zum Vorbild im Glauben für alle.

Michaela Quast-Neulinger, Ass. Professorin am Institut für Systematische Theologie in Innsbruck
Michaela Quast-Neulinger, Ass. Professorin am Institut für Systematische Theologie in Innsbruck
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