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Ohne Mitleid – oder mit

Glaube

In seiner jüngsten Enzyklika „Fratelli tutti“ widmet sich Papst Franziskus der Geschwisterlichkeit und Freundschaft zwischen allen Menschen guten Willens. Dabei bezieht er sich auf ein Wort des heiligen Franz von Assisi, wonach jener Mensch selig ist, der den anderen, auch wenn er weit entfernt ist, genauso liebt und achtet, wie wenn er mit ihm zusammen wäre.

Ausgabe: 14/2021
06.04.2021
- Eugen Giselbrecht
Wie gehen wir mit Fremden um? Auch diese Frage stellt uns das Gleichnis vom barmherzigen Samariter in der Auslegung von Papst Franziskus. Denn der Samariter war ein „Fremder“.
Wie gehen wir mit Fremden um? Auch diese Frage stellt uns das Gleichnis vom barmherzigen Samariter in der Auslegung von Papst Franziskus. Denn der Samariter war ein „Fremder“.
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Das zweite von neun Kapiteln der Enzyklika „Fratelli tutti“ widmet Papst Franziskus dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,25–37). Zunächst weist er darauf hin, dass das Thema Nächstenliebe an vielen verschiedenen Stellen der Bibel angesprochen wird, zum Beispiel: „Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen“ (Levitikus 19,33–34). „Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tod ... Wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht“ (1 Johannes 3,14 + 4,20). Schließlich erinnert der Papst an eine Rede, die er 2018 in Estland gehalten hat: „Denn es ist die Liebe, die die Ketten sprengt, die uns isolieren und trennen, indem sie Brücken schlägt; Liebe, die es möglich macht, eine große Familie zu bilden, in der wir uns alle zu Hause fühlen ... Liebe, die nach Mitgefühl und Würde schmeckt“.

 

Menschen gingen vorüber

Dann schaut Papst Franziskus in „Fratelli tutti“ auf den verlassenen Mann am Straßenrand: „Jesus erzählt, wie ein verwundeter Mann am Wegrand auf dem Boden lag, weil er überfallen worden war. Mehrere Menschen gingen an ihm vorbei und blieben nicht stehen. Es waren Menschen mit wichtigen Stellungen in der Gesellschaft, die aber die Liebe für das Gemeinwohl nicht im Herzen trugen. Sie waren nicht in der Lage, einige Minuten zu erübrigen, um dem Verletzten zu helfen oder zumindest Hilfe zu suchen.“

 

Alles beiseitegelegt

„Einer blieb stehen, schenkte ihm seine Nähe, pflegte ihn mit eigenen Händen, zahlte aus eigener Tasche und kümmerte sich um ihn. Vor allem hat er ihm etwas gegeben, mit dem wir in diesen hektischen Zeiten sehr knausern: Er hat ihm seine Zeit geschenkt. Sicherlich hatte er sein Programm für jenen Tag, entsprechend seiner Bedürfnisse, seiner Aufgaben oder seiner Wünsche. Aber er ist fähig gewesen, angesichts dieses Verletzten alles beiseitezulegen, und ohne ihn zu kennen, hat er ihn für würdig befunden, ihm seine Zeit zu schenken.“

 

Die Seite der Räuber

Franziskus setzt in deutlichen Worten fort, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte: „Angesichts so großen Leids und so vieler Wunden besteht der einzige Ausweg darin, so zu werden wie der barmherzige Samariter. Jede andere Entscheidung führt auf die Seite der Räuber oder derer, die vorbeigehen, ohne Mitleid zu haben mit den Schmerzen des Menschen, der verletzt auf der Straße liegt. Das Gleichnis zeigt uns, mit welchen Initiativen man eine Gemeinschaft erneuern kann, ausgehend von Männern und Frauen, die sich der Zerbrechlichkeit der anderen annehmen.“

 

Mitmenschlich

Papst Franziskus widmet dem barmherzigen Samariter in der Enzyklika „Fratelli tutti“ ein ganzes Kapitel. Ab dem Sonntag der Barmherzigkeit stellt Pfarrer Eugen Giselbrecht seine Lieblingszitate daraus vor.

 

Teil 1 von 3

mit Pfarrer Eugen Giselbrecht

Pfarrer Eugen Giselbrecht
Pfarrer Eugen Giselbrecht
© Leo Forte
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