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Greenwashing bei Unternehmen

„Begriffe wie ‚nachhaltig‘ sind nicht geschützt“

LEBENS_WEISE

Durch sogenanntes „Greenwashing“ versuchen Unternehmen, Produkte grüner und nachhaltiger darzustellen, als sie es tatsächlich sind. Raphael Fink vom Verein für Konsumentenschutz klärt über die häufigsten Täuschungsstrategien auf.

Ausgabe: 02/2026
05.01.2026
- Lisa-Maria Hammerl
Greenwashing
Greenwashing
© Tanaonte/Stockadobe

Klimaschutz ist ein omnipräsentes Thema, nicht nur in Politik und Gesellschaft. Auch Unternehmen sehen sich zunehmend unter dem Druck, „grüner“ zu werden. Also beispielsweise ihre Produkte klimaschonender herzustellen, Müll und Schadstoffe zu reduzieren oder auf die Herkunft der einzelnen Zutaten zu achten. Leider überlegen sich manche Unternehmen hier keine echten Lösungen, sondern versuchen durch irreführende Werbeversprechen, ihre Produkte ethisch, fair und umweltfreundlich erscheinen zu lassen. „Wenn man genauer hinsieht, stellen sich diese grünen Werbeversprechen jedoch oft als falsch heraus“, sagt Raphael Fink, Nachhaltigkeits- und Greenwashingexperte beim Verein für Konsumentenschutz (VKI). „Greenwashing“ ist die Bezeichnung für diese Marketingmethode, die Kund:innen dazu bringen soll, die Produkte zu kaufen. 

 

Versteckte Kompromisse 


Dafür nutzen Unternehmen verschiedene Strategien. Eine davon ist die der „versteckten Kompromisse“: „Dabei werden Produkte mit umweltfreundlichen Aspekten beworben. Andere, weniger ‚grüne‘ Produkteigenschaften werden dafür bewusst verschwiegen oder negiert“, erklärt Fink. Er nennt als Beispiel die Kaffeekapsel – diese könne zwar natürlich recycelt werden, jedoch verbrauche sie viele Ressourcen und werde mit umweltschädlichem Aluminium hergestellt. 

 

Etiketten und Zertifikate


Fink stellt klar, dass Begriffe wie „grün“ oder „nachhaltig“ keine geschützten Bezeichnungen sind und deshalb auch nichts über die tatsächlichen Produktionsbedingungen oder Gegebenheiten aussagen. Ähnliches gilt für Etiketten bzw. Gütesiegel. „Sich im Gütesiegeldschungel zurechtzufinden, ist für Konsument:innen eine Herausforderung geworden. Es gibt seriöse Zertifizierungen, aber auch solche, die im Grunde keine Relevanz haben und solche, die schlichtweg erfunden sind“, sagt Fink. Ein Beispiel für überflüssige Zertifizierungen sind „Vegan“-Pickerl auf Lebensmitteln, bei denen sowieso klar ist, dass diese vegan sind, etwa Obst oder Gemüse. Manchmal wird auch mit Angaben geworben, die zwar wahr sind, aber keine Aussagekraft haben – etwa wenn angegeben wird, dass in einem Produkt eine ohnehin verbotene Substanz nicht enthalten ist.
Fink empfiehlt, auf anerkannte, unabhängige Gütesiegel zu achten, wie das österreichische oder europäische Umweltzeichen: „Nur bei diesen Zeichen kann man sicher sein, dass sie seriös und glaubwürdig sind.“

 

Das kleinere Übel


Eine andere Strategie, die laut dem Experten gerne angewandt wird, ist, die Aufmerksamkeit von Konsument:innen auf das „geringere Übel“ zu lenken. Schwerwiegende Auswirkungen des Produktes sollen so überspielt, von ihnen soll  abgelenkt werden. Dazu gehört auch oft, dass ein Produkt mit einem anderen, noch weniger umweltfreundlichen Produkt verglichen wird, damit das erstere besser dasteht. Ein Beispiel dafür ist die Werbung für ein benzinsparendes Auto. 

 

Unscharfe Aussagen


Skeptisch sein sollen Konsument:innen auch bei unscharfen oder missverständlichen Aussagen wie „nachhaltigere Baumwolle“, „grün“ oder „klimafreundlich“, da dies zwar auf den ersten Blick gut klingen würde, die genauere Bedeutung jedoch nicht klar ist und nicht näher erklärt wird. „‚Nachhaltigere Baumwolle‘ heißt nicht automatisch, dass die Ware ökologisch produziert wurde“, sagt Fink.

 

Genauer Check


Der VKI führt immer wieder „Greenwashing-Checks“ durch, wo verschiedenste Unternehmen, Werbekampagnen und Produkte daraufhin analysiert werden, ob hier Greenwashing betrieben wird und auf welche Weise. Untersucht wurden beispielsweise schon Brauereien, Öl- und Gasunternehmen, Unternehmen der Fernwärmebranche, Supermärkte, Gartencenter, Pasta- und Soßenhersteller oder auch Airlines. Dabei wird jedoch nicht nur auf Greenwashing hingewiesen, sondern auch erwähnt, wenn und wo ein Unternehmen bereits tatsächlich nachhaltig und klimafreundlich agiert. 


Weitere Infos: www.vki.at/greenwashing-check

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