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Umgang mit kirchlichem Vermögen

Was glauben Sie eigentlich: Ist die Kirche reich?

GLAUBENS_GUT

Die Kirche hat ein Vermögen in Milliardenhöhe: Immobilien, Ländereien, Geldanlagen, zahllose, teils unbezahlbar wertvolle Kunstgüter usw. Wie sie mit ihrem Besitz richtig umgehen soll, bleibt eine komplexe Herausforderung und eine Gratwanderung.

Ausgabe: 02/2026
05.01.2026
Pater Martin M. Lintner
Pater Martin M. Lintner

 

 

Was glaubwürdig ist


Ich erinnere mich an ein wichtiges, leider fast in Vergessenheit geratenes Dokument der römischen Bischofssynode von 1971: „Über die Gerechtigkeit in der Welt“. Es waren vor allem die Bischöfe aus Lateinamerika, die kritisch mit einer wohlhabenden Kirche ins Gericht gegangen sind. Darin heißt es: „Die Kirche muss so leben und ihre Güter so verwalten, dass dadurch den Armen das Evangelium verkündet wird. Wenn dagegen die Kirche als reich unter den Reichen, als mächtig unter den Mächtigen auftritt, leidet ihre Glaubwürdigkeit.“ Und weiter: „Der Auftrag, das Evangelium zu verkünden, fordert heute, dass wir uns, solange der Mensch in der Welt lebt, für seine volle Befreiung einsetzen. Wenn die christliche Botschaft von der Liebe und Gerechtigkeit ihre Kraft nicht im Einsatz für die Gerechtigkeit in der Welt erweist, dann wird sie für die heutigen Menschen unglaubwürdig.“

 

Strukturen überwinden


Die Kirche müsse, so die Bischöfe, die irdischen Güter konsequent in den Dienst der Verkündigung des Evangeliums und der Überwindung von Strukturen stellen, die Armut und Ungerechtigkeit bewirken. Vom Diakon Laurentius (225–258 n.Chr.) wird folgende Anekdote überliefert. Er verwaltete die kirchlichen Mittel für die Armenfürsorge im damaligen Rom. Als er verhaftet wurde, verlangte der Kaiser von ihm, den Kirchenschatz herauszurücken.

 

Der wahre Schatz


Laurentius führte alle Armen, Kranken und Krüppel vor den Kaiser: „Sie sind die goldenen Gefäße der Kirche“, sagte er dem verdutzen Kaiser. „Das Gold, nach dem dich gelüstet, ist Ursache vieler Verbrechen, und sein Glanz trügt. Christus ist das Licht der Welt und der Abglanz göttlicher Herrlichkeit; diese aber sind des Lichtes Kinder und der wahre Schatz der Kirche.“ Diese Überlieferung bleibt ein kritisches Korrektiv für die Glaubwürdigkeit der Kirche in der Verwaltung und im Gebrauch ihrer Güter.

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Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.

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