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Vertrauen lernen - Teil 2/4

Im Sturm Ruhe finden

GLAUBENS_GUT

Worauf vertrauen und woraus Hoffnung schöpfen, wenn alles verloren scheint? Krankenhausseelsorgerin Viola Weiss schreibt darüber, wie man im Sturm Ruhe finden kann.

Ausgabe: 02/2026
05.01.2026
- Viola Weiss
Der Sturm auf dem See: In der Bedrohung zu vertrauen, ist nicht einfach.
Der Sturm auf dem See: In der Bedrohung zu vertrauen, ist nicht einfach.
© Adobe Stock

Gedanken zu Markus 4,35–41: Der Seesturm

 

„Hilfe, ich gehe unter!“ Vor einigen Jahren bin ich beim Kanufahren in den Stromschnellen gekentert und habe mich erst in ruhigeren Gewässern ans Ufer retten können. Diese Erfahrung des Untergehens lässt sich nur schwer mit Worten beschreiben – die Luft geht aus, und gleichzeitig fehlt die Orientierung. Die Erzählung vom Sturm auf dem See findet sich im Anschluss an Jesu Gleichnisse vom Reich Gottes (Markus 4,1–34) und ist die erste der vier Wundererzählungen am See Gennesaret.

 

Die Bedrohung ist existenziell


Am Abend eines ereignisreichen Tages fährt Jesus mit seinen Jüngern, nachdem sie die Leute weggeschickt haben, ans andere Ufer des Sees. Obwohl plötzlich ein heftiger Wirbelsturm aufzieht, schläft Jesus seelenruhig auf einem Kissen hinten im Boot. Die Jünger als erfahrene Fischer bemerken, wie sich das Boot mit Wasser zu füllen beginnt, und haben Angst, dass sie alle zugrunde gehen. Nimmt Jesus die Gefahr nicht wahr? Wie kann er mitten im Sturm schlafen? In ihrer Verzweiflung wecken sie ihn auf.

 

Zwischen Angst und Vertrauen


Augenblicklich steht er auf und befiehlt dem Wind zu schweigen. Stille breitet sich aus.
Danach stellt Jesus den Jüngern zwei Fragen, die ihnen unter die Haut gehen: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“ (Markus 4,40) Auch heute ist die Angst spürbar, dass Gott mich als Mensch in Notsituationen nicht sieht. Habe ich die Hoffnung, dass er mein Rufen hört? Wenn ich darauf vertraue, dass Jesus auch bei mir im Boot sitzt und die Stürme meines Lebens letztlich zum Schweigen bringt, führt das zu dem Glauben, dass ich - mit seiner Hilfe - das rettende Ufer erreichen kann: „Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde erschaffen hat.“ (Psalm 121,2)

 

Im Moment der Not


In den Krankenhäusern erzählen mir immer wieder Menschen von der Erfahrung, dass Gott sie in ihrer Angst nicht alleine lässt. In den Stunden der größten Not fühlen sie sich von ihm getragen. Wenn andere Menschen sich dann liebevoll um sie kümmern, wird auch dort Gottes Nähe spürbar.
„Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?“ (Markus 4, 41) Diese Frage der Jünger beschäftigt uns bis heute. Wer ist Jesus für mich? Im Handeln Jesu zeigt sich Gottes rettende Macht, der ich mich anvertrauen kann – auch dann, wenn ich das Gefühl habe, dass mich in dem Moment niemand hört. Beim Beten und Singen kann ich ihm mein Leben in besonderer Weise anvertrauen: „Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht. Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau’ ich und fürcht’ mich nicht.“ (Gotteslob 365, Jacques Berthier, Gesang aus Taizé)

 

 

 

Vertrauen lernen

 

Die Welt ist unsicher: Kriege, Klimawandel, Wirtschaftskrise, Pandemie – Menschen verlieren den Boden unter den Füßen. Die Angst wächst, und viele verlieren sich in Heilsversprechen, die einfache Lösungen anbieten. Auch in der Bibel finden sich herausfordernde Situationen: Sturm und Gegenwind, Menschen, die ins Ungewisse aufbrechen – und darin die Erfahrung, dass Vertrauen trägt. Vertrauen ist nichts, was man einfach hat. Es wächst, wenn man den ersten Schritt geht ...


 

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