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Josefitag am 19. März

Josef, der stumme Heilige

Glaube

Am 19. März ist Josefitag. Dass Papst Franziskus heuer eigentlich zum Jahr des hl. Josef erklärt hat, ging bisher weitgehend unter – ein Schicksal, das gut zum biblischen Josef passt und wohl auch mit der kurzfristigen Ankündigung des Josefsjahres zu tun hat.

Ausgabe: 11/2021
16.03.2021
- Heinz Niederleitner
© NIE

Vom heiligen Josef sind keine direkten Reden in den biblischen Texten erhalten. Und rasch verschwindet er auch ohne Aufsehen aus der Lebensgeschichte Jesu. Wichtig ist er in Bezug auf die Abstammung Jesu und durch sein Handeln, nicht durch Worte. Er steht im Hintergrund. Durch Josef verwirklicht sich aber die Erwartung, dass der Messias aus dem Geschlecht Davids hervorgeht (Mt 1,1–16; Lk 3,23–38), obwohl Josef laut biblischer Darstellung (Mt 1,18; Lk 1,35) nicht der biologische Vater Jesu war. Zweimal wird Josef ganz entscheidend aktiv: In Träumen veranlassen ihn Engel, die schwangere Maria nicht zu verlassen (Mt 1,19–25) und mit seiner Familie nach Ägypten zu flüchten (Mt 2,13–15). Es ist offensichtlich, dass dafür die Erzählungen über den Josef des Alten Testaments (Gen 37), der auch von Träumen beeinflusst war und nach Ägypten gelangte, Pate standen.

 

Beruf?

Mit Maria führt Josef von Nazaret Jesus in das gläubige jüdische Leben ein (Lk 2,22–52). Der Beruf des heiligen Josef taucht in Mt 13,55 auf: Dort wird er griechisch als „tekton“ bezeichnet, was im konkreten Zusammenhang wohl als Bauhandwerker zu übersetzen ist. Unklar ist, ob Josef und Maria weitere Kinder hatten. Laut dem Matthäus-Evangelium (1,25) schlief Josef bis zur Geburt Jesu nicht mit Maria, was aber keine Aussage über spätere Nachkommen ist. In mehreren Schriftstellen (nur ein Beispiel: Mk 6,3) ist von Brüdern und Schwestern Jesu die Rede. Der katholische Katechismus sieht in diesen nur nahe Verwandte, denn Maria sei „allzeit Junfrau“ geblieben. Auch die Idee der „Josefsehe“ beruht darauf: Die demnach geschlechtlich inaktiven Eheleute Josef und Maria wurden zum Beispiel geschiedenen Wiederverheirateten als Maßstab vorgelegt, um die Kommunion empfangen zu können. Im Bereich der apokryphen Schriften, die nicht der Bibel angehören, gibt es noch eine Reihe von Legenden, etwa über den Tod Josefs noch vor dem öffentlichen Wirken Jesu.

 

Wenig Handfestes

Insgesamt zeigt sich: Wir wissen wenig Handfestes über Josef von Nazaret, nichts über sein Familienleben oder seinen Verbleib. Über Jahrhunderte haben wir sehr viel in diesen Mann hineininterpretiert. Unsere Vorstellung ist von kitschigen Bildern und den Zuständigkeiten geprägt, die man Josef umgehängt hat: Vom Patron der ganzen Kirche (vor 150 Jahren) über jenen der Zimmerleute und der Familie bis zum Heiligen, den man bei Wohnungsnot anrufen kann. Seit 1955 wird er auch am 1. Mai als Patron der Arbeiter verehrt. Immerhin geht eine zentrale Aussage aus den Evangelien nach Matthäus und Lukas hervor: Josef war ein gläubiger Jude und gegenüber Gott gehorsam. Mehr noch: Er war „gerecht“ (Mt 1,19) und wollte Maria wegen des unehelichen Kindes nicht bloßstellen (ein Skandal, der für Maria lebensgefährlich gewesen wäre). Das allein wäre schon ein guter Grund, Josef zu schätzen.

Mehr über die Verbindung des alttestamentlichen mit dem neutestamentlichen Josef bietet die Broschüre „Josef trifft Josef“ (60 Seiten), die mit dem Hinweis „KiZ“ portofrei um 6,90 Euro beim Linzer Bibelwerk erhältlich ist: Tel. 0732 7610-3231

 

Bildtext: Maria mit dem hl. Josef, dem Arbeiter.Das Bild des Linzer Malers Fritz Aigner (1930–2005) aus der Pfarrkirche Traun-Oedt-St. Josef heißt in Kunstkreisen „Der heilige Josef im Zweifel“: Im Hintergrund empfängt Maria die Botschaft von der jungfräulichen Geburt Jesu, im Vordergrund spürt Josef, dass „hinter seinem Rücken“ etwas geschieht. Die Fachliteratur sieht in dem Bild eine Verschlüsselung des Scheiterns von Aigners erster Ehe. Aigner hätte sich demnach in Josef hineingefühlt.

 

Siehe auch:

Der heilige Josef als Impulsgeber

Der stille Josef

Idylle. So stellte sich das 19. Jahrhundert den Alltag der heiligen Familie vor: Josef arbeitet als Zimmermann, Maria spinnt und Jesus liest (Josefs­altar der Stadtpfarrkirche Traun).
Idylle. So stellte sich das 19. Jahrhundert den Alltag der heiligen Familie vor: Josef arbeitet als Zimmermann, Maria spinnt und Jesus liest (Josefs­altar der Stadtpfarrkirche Traun).
© nie/kiz
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