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Gott ist schon da

Im Kleinkram des Alltags

Glaube

Im Gewöhnlichen das Außergewöhnliche finden, im Alltäglichen das Geschenk der Gegenwart Gottes: Diese spirituelle Einsicht gehört zu den großen Entdeckungen, die Charles de Foucauld auf seiner abenteuerlichen Lebensreise gemacht hat.
 

Ausgabe: 19/2022
10.05.2022
- Andreas Knapp
Der alltägliche Kleinkram hat eine göttliche Dimension, die es im Leben zu entdecken gilt. Zu dieser Überzeugung kam Charles de Foucauld (1858–1916) auf seiner spirituellen Suche.
Der alltägliche Kleinkram hat eine göttliche Dimension, die es im Leben zu entdecken gilt. Zu dieser Überzeugung kam Charles de Foucauld (1858–1916) auf seiner spirituellen Suche.
© Copyright 2021 David-W- / Photocase Addicts GmbH, all rights reserved.

Sein Weg zu dieser Erkenntnis ist lang. Zunächst zieht es Charles in ein strenges Kloster, dann lebt er ganz verborgen als Hausknecht in Nazaret und schließlich wird er zum Freund eines Beduinenstammes in der Sahara. Beim Meditieren des Evangeliums geht ihm immer mehr auf, dass Nazaret ein Ort ist, an dem Gott auf außergewöhnliche Weise gewöhnlich wurde.

 

Das Besondere an einer Spiritualität von Nazaret liegt also genau darin, nichts Besonderes zu suchen. Sondern den Alltag als den Raum zu erkennen und anzuerkennen, an dem Gott mitten unter den Menschen wohnt. „Gott ist da und ich wusste es nicht“, staunt schon der biblische Jakob (Genesis 28,16). Teresa von Ávila ist davon überzeugt, dass man Gott auch zwischen den Kochtöpfen finden könne.

 

Alltag als Gottesdienst

 

Wenn Menschen bei der Besichtigung eines Klosters erfahren, dass etwa die Kartäuser um ein Uhr morgens aufstehen, um zu beten, so wird dies oft mit Erstaunen und großem Respekt aufgenommen. Wenn hingegen eine Mutter oder ein Vater um ein Uhr aufsteht, weil ein Kind weint, dann wird dem zu Unrecht spirituell meist kein großer Wert beigemessen. Und wenn eine Frau über Jahre den demenzkranken Vater wie selbstverständlich versorgt und pflegt, so ist doch auch dies eine Form von Gottesdienst!


Betrachtung im Lärm

 

Genau diese Perspektive will eine von Nazaret geprägte Spiritualität erschließen: Sie will die Augen öffnen für die göttliche Dimension im Kleinkram des Alltags, um diesen neu sehen und schätzen zu lernen. Die Kleine Schwester Madeleine (die Gründerin der „Kleinen Schwestern Jesu“) schrieb: „Als betende Menschen mitten in der Welt wagen wir zu sagen, dass das kontemplative Leben in den übervölkerten Städten, im Lärm der Straßen sich ebenso gut entfalten kann wie in der Zurückgezogenheit eines Klosters.“

 

Gott des Kleinen

 

Es geht also um die Entdeckung der Gegenwart Gottes in jedem Menschen, in den unscheinbaren Begegnungen des Alltags, in den kleinen Freuden wie auch in den Mühen und Sorgen des Lebens. Dazu braucht es Augenblicke der Stille, des Inne-Haltens und einen liebevollen Blick. Dann wird mein Nazaret zum Ort, um Gott zu begegnen.

 

Denn Gott ist ein Gott der kleinen Dinge und der kleinen Leute. Und wer Jesus von Nazaret nachfolgen und ihn lieben will, der wird zugleich die Menschen lieben, die Jesus besonders am Herzen lagen: die Diskriminierten, die an den Rand Gedrängten, die Verachteten. „Kontemplativ mitten in der Welt“ kann man entdecken: In ihren Gesichtern spiegelt sich das Antlitz Jesu. Und in allem strahlt eine Würde. «

 

Charles de Foucauld entdecken

Heiligsprechung
am 15. Mai

Teil 4 von 4

mit Andreas Knapp
Priester, kleiner Bruder vom Evangelium, Dichter, Autor 

Andreas Knapp
Andreas Knapp
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