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Für Gottesdienst, Predigt und Seelsorge:

Eine Sprache, die in Menschen etwas zum Schwingen bringt

Glaube

Die Kirche verkündet die Frohe Botschaft Jesu. Aber dazu muss sie die Menschen ansprechen können.

Ausgabe: 24/2022
14.06.2022
- Heinz Niederleitner
Erich Garhammer war bis zu seiner Emeritierung 2017 Professor für Pastoraltheologie an der Universität Würzburg
Erich Garhammer war bis zu seiner Emeritierung 2017 Professor für Pastoraltheologie an der Universität Würzburg
© privat

Das erfordere einen guten Umgang mit Sprache, sagt der Theologe Univ.-Prof. Erich Garhammer aus Würzburg.

 

Ist Sprache das zentrale Medium der Seelsorge? Erich Garhammer stimmt zu, ergänzt aber: „Zur Sprache gehört auch das Schweigen und das Vermögen, aktiv zuhören zu können.“ Er warnt vor dem Zerreden.

 

Zentral ist für ihn der Begriff der Resonanz, das „Mitschwingen“, das mehr braucht als intellektuelle Ansprache. „Hier hat uns der Konzilstext Gaudium et spes etwas Wichtiges vorgegeben, wenn es heißt, es gebe nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in den Herzen der Jünger Christi seinen Widerhall fände.“

 

Gerade in der Sprache der Gottesdienste gebe es eine große Not, sagt der Theologe. Als Beispiel für notwendige Veränderung nennt Garhammer das Tagesgebet am Angang der Messfeier: Es soll so formuliert sein, „dass Menschen den Eindruck haben: Hoppla, da geht es um mich, da komme ich in meinem Leben vor“.

 

Das Leben teilen

 

Dasselbe gelte auch für die Predigt: „Für eine gute Predigt muss man das Leben der Menschen teilen.“ Hilfreich sei es, „par cœur“ zu predigen. Das bedeutet an sich „auswendig, frei“ zu predigen, die wörtliche Übersetzung des französischen Ausdrucks lautet aber weitergehend „von Herzen“. „Das schätzen die Menschen“, ist Garhammer überzeugt.

 

Auch in der Seelsorge von Mensch zu Mensch sei es gut, achtsam mit der Sprache umzugehen, ein „Liebesverhältnis zur Sprache“ zu haben.

 

Die Kunst des Predigens

 

Garhammer hat sich viel mit Poesie und Literatur und der Verbindung zur Seelsorge beschäftigt. „Es geht nicht darum, in einer Predigt nachzuweisen, dass man die neueste Literatur kennt, sondern darum, was Literatur kann: erzählen. Predigen ist auch eine Kunstform – ars praedicandi.“

 

Das soll nicht so verstanden werden, dass es besonders kompliziert wird: „Einfach zu predigen, heißt nicht, simpel zu predigen. Was ich nicht verstanden habe, darüber kann ich auch nicht einfach sprechen. Früher nannte man die Predigt den Sermo humilis, die einfache Rede.

 

Da liegt ein theologischer Anspruch drinnen: Im Philipperbrief (2,7) heißt es, Gott habe sich ‚entäußert und wurde Mensch‘, deshalb ist die Botschaft Jesu für Menschen verständlich.“ Viel könne man von der Sprache Jesu mit den Metaphern und Gleichnissen lernen.


Garhammer warnt davor, die Menschen zu infantilisieren, klein zu machen: „Das wäre zum Beispiel, wenn ich so spreche, also würde ich den Zuhörern das Evangelium bringen. Das Evangelium ist aber bereits vor dem Prediger in den Menschen selbst da. Es geht um ein Gespräch auf Augenhöhe. Man sollte Menschen auch nicht vereinnahmen und nicht moralisieren: Das Leben behält auch nach der Predigt seine Herausforderungen, es verschließt sich vermeintlich einfachen Lösungen. Aber man kann für die Frohe Botschaft Jesu werben und dann den Menschen selbst zutrauen, die nächsten Schritte zu setzen.“

 

Erich Garhammer erinnert an den ursprünglichen Schluss des Markusevangeliums, die Ankündigung, dass Jesus seinen Jüngern nach Galiläa vorausgeht (Mk 16,7). „Die Auferstehung ist kein Schlusspunkt. Es gibt die Einladung, den Weg als Christin und Christ immer neu zu gehen.“  «   

 

Unter dem Titel „Erzähl mir Gott“ bietet das Institut für Pastorale Fortbildung der Diözese Linz am 20. Juni einen Studientag mit Prof. Garhammer an. Infos und Anmeldungen: www.dioezese-linz.at/ipf

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