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Neuanfang mit 62 Jahren als Ordenspriester

Christian Mayr: Maler, Missionar und Mönch

Glaube

Er war Maler, dann Weltpriester-Missionar und ist jetzt Benediktiner-Mönch. Mit 62 Jahren tritt Christian Mayr ins Stift Kremsmünster ein.

Ausgabe: 34/2021
24.08.2021
- Paul Stütz
Neuanfang mit 62 Jahren als Ordenspriester
Neuanfang mit 62 Jahren als Ordenspriester
© Kirchenzeitung / Paul Stütz

Im Kloster beginnt seine neue Mission

Damit er seiner Wahlheimat Brasilien treu bleiben und gleichzeitig Zeit in Österreich verbringen kann, tritt der 62-jährige Priester Christian Mayr bei den Benediktinern in Kremsmünster ein. Trotz seiner Erfahrung fängt er als Novize im Orden ganz von vorne an.


Maler, Missionar und Mönch: Mit diesen drei Stichworten lässt sich Christian Mayrs (62) Lebensweg auf den allerkürzesten Nenner bringen. Seine berufliche Laufbahn startete der gebürtige Ennser nach einem Studium der Kunst- und Werkerziehung in Linz als Maler. Er kombinierte seine Tätigkeit als Portraitzeichner mit ausgiebigen Reisen, die ihn rund um die Welt führen sollten, etwa nach Ostafrika und Indien. Ein dramatisches Ereignis sollte seinem Leben mit Anfang 20 nochmals eine Wendung geben.

 

Jesus-Stimme weckte ihn

Als er in Spanien vor einer brennenden Kerze einschlief, war es das Geräusch seines Radios, das ihn vor dem Feuertod bewahrte. Die Stimme im rettenden Radioprogramm erzählte gerade von Jesus, was Mayr dazu bewog, die Bibel zur Hand zu nehmen und ins Linzer Priesterseminar einzutreten. „Das war eine göttliche Fügung“, sagt Christian Mayr heute dazu. Nach der Priesterweihe im Jahr 1991 erinnerte er sich bald wieder an die bitterarmen Straßenkinder, die ihm auf seiner Reise in Indien begegnet waren. Die Sehnsucht vom Leben als Missionar war geweckt. Das Ziel sollte er rasch verwirklichen können, indem er 1995 in die brasilianische Diözese Barreiras wechselte. Die Diözese, die nur wenig kleiner als Österreich ist und 400.000 Einwohner/innen zählt, ist eine Gründung des Stifts Kremsmünster. Erster Bischof war der Benediktiner Richard Weberberger, der Barreiras von 1979 bis zu seinem Tod im Jahr 2010 leitete und Christian Mayr auf dessen Wunsch nach Brasilien holte. Dort hat er einige Pfarren aufgebaut und geleitet, Kirchen selbst ausgemalt und nicht zuletzt eine Heimat gefunden. Vor drei Jahren hat er seinen Brasilieneinsatz erstmals pausiert, um in mehreren Mühlviertler Pfarren auszuhelfen und Zeit mit seinen über 90-jährigen Eltern zu verbringen, von denen sein Vater 2019 verstorben ist. Während sich die Zeit in Oberösterreich durch die Coronapandemie verlängerte und nur durch kurze Brasilienbesuche unterbrochen wurde, ist sein Entschluss, zum Benediktiner-Orden überzutreten, nach und nach gereift. „Das ermöglicht mir, sowohl in Brasilien als auch in Oberösterreich als Priester zu wirken. Als Diözesanpriester wäre das nicht möglich.“

 

Als Novize aufgenommen

Mit dem Ordenseintritt schließt sich ein Kreis in Christian Mayrs Leben. Erst vergangene Woche, am 17. August, wurde er im Rahmen des Morgengebets der Mönche aufgenommen und eingekleidet. Der Ordensname ist mit Christian gleich dem Taufnamen. Dass er als erfahrener Priester und mit 62 Jahren ein Jahr als Novize im Stift  leben wird und er den Anfängerstatus nicht überspringen kann, macht ihm dabei nichts aus. „Das ist schon okay so“, meint Mayr. Dabei ist Christian Mayr der Orden durch das gemeinsame Thema Brasilien bestens vertraut. In der Gemeinschaft der Benediktiner fühlt er sich wohl. An der Spiritualität der Benediktiner schätzt der 62-Jährige besonders die enge Verbindung zu Kunst und Wissenschaft. „Der gregorianischen Choräle, die beim Gebet gesungen werden, haben es mir auch besonders angetan“, meint Christian Mayr.

 

Genaue Zukunft offen

Wie genau sein Leben nach dem einjährigen Noviziat ausschauen wird, ist noch offen. „Ich möchte aber auf jeden Fall in Brasilien Aushilfen als Priester machen.“ Nicht leugnen lässt sich jedenfalls, dass ihn die Zeit in Südamerika stark geprägt hat. Markant für Mayrs Pfarren waren etwa die im Schnitt jungen Gottesdienstgemeinden, die sich bei den Messen aktiv beteiligen. Mayr: „Es wird sehr laut mitgesungen.“ Die Brasilianer/innen feiern zudem gerne gemeinsam, und so werden in der Regel bei einer einzigen Feier mehrere Kinder getauft. Bei Hochzeiten ist das ähnlich. Mayr hat daran Gefallen gefunden. „Ich fühle mich zwar da wie dort heimisch, aber von der Kirche her bin ich eigentlich mehr brasilianisch.“

Christian Mayr  in seiner ehemaligen Pfarre in Brasilien.
Christian Mayr in seiner ehemaligen Pfarre in Brasilien.
© Privat
Ein Lebenskreis schließt sich: Christian Mayr mit seinem neuen Ordenshabit
Ein Lebenskreis schließt sich: Christian Mayr mit seinem neuen Ordenshabit
© KIZ/PS
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