Dass der Weg von den alten „starken“ Männerbildern der Vergangenheit zum „neuen Mann“ längst nicht gegangen ist, darauf machte zu Beginn der Sommerakademie Markus Theunert sehr eindringlich und anschaulich aufmerksam. Dabei brach der 40-jährige Soziologe und Präsident des Dachverbandes Schweizer Männer- und Väterorganisationen gleich einmal ein Tabu: nämlich dass „der richtige Mann alles im Griff hat“ und sogar seine eigene Rollenverunsicherung aus „sachlicher Distanz“ betrachte. Er dagegen stieg mit sehr persönlichen „Männererfahrungen“ in den Dialog mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Sommerakademie ein. Seine Jugend war geprägt vom Mainstream des Feminismus, Sprüche wie „Frauen an die Macht und Männer auf dem Mond“ gefielen ihm durchaus. Als verständnisvoll zuhörender „Softie“ war er in bester Gesellschaft, den „Aufriss“ bei Frauen aber machten die „verachteten“ Macho-Männer.
Versöhnung zwischen den Männeridealen
Dieser erlebte Widerspruch wurde zur Geburtsstunde seines männerpolitischen Engagements, sagt Theunert. Der Macho sollte es nicht sein, der Softie passte aber auch nicht. Der dritte Weg eines „ausbalanzierten Mannes“, für den es ein „sowohl als auch“ statt eines „entweder oder“ gab, der nicht nur seine „weibliche Seite“ beleben, sondern sie zum Teil seines Mann-Seins machen wollte, der letztlich mehr Mann und damit ganz Mensch werden wollte, zeigte sich als durchaus hürdenreich. Theunert schildert den inneren Leidensdruck zwischen dem, was man sein soll (leistungsbereit, tüchtig, gesund, omnipotent …), dem, was man sein will, und dem, was man dann ist. Wer aus diesem Korsett zwischen unerfüllbaren und unentrinnbaren Männlichkeitsidealen nicht ausbricht, verkomme zum Bonsai-„Männchen“. Die Männer heute seien gleichzeitig Wächter und Gefangene, sie sitzen zwischen Selbstunterdrückung durch die alten historischen Rucksäcke und Rebellion. Notwendig, wenngleich mühsam, sei eine Aussöhnung, konsequent Schritt für Schritt.