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„Ein Ende muss in Sicht sein“

Wenn junge Paare eine Zeit lang getrennt leben müssen. Sommer, Sonne, Freizeit, Reisen, Freunde treffen,... Normalerweise warte ich sehnsüchtig auf den Ferienbeginn. Dieses Jahr sah ich ihm jedoch mit gemischten Gefühlen entgegen.
Ausgabe: 2013/29, Beziehung, Auslandssemester, Ferien
17.07.2013
- Dagmar Giglleitner
Einerseits freute ich mich darauf, vom Studienort Graz wieder nach Hause zu kommen, andererseits bedeutete das eine Trennung von meinem Freund für nicht absehbare Zeit. Während für die meisten der Sommer wie im Flug vergeht, erscheinen die Wochen für uns als junges Paar unendlich lange und schwierig – sogar mit modernen Kommunikationsmedien.

Fragen und Zweifel


In Graz ist es relativ einfach, eine gute Beziehung zu führen: Wir studieren beide, haben einen ähnlichen Freundeskreis und fast jeden Tag ergibt sich eine Möglichkeit, einander zu sehen und am Leben des anderen teilzuhaben. Mit der näher rückenden Trennung tauchten jedoch Fragen und Zweifel auf: Wie viel Kontakt und in welcher Form wollen wir? Wie ernst ist es wirklich mit unserer Beziehung? Halten wir auch zueinander, wenn nicht alles locker und leicht ist? Was passiert, wenn wir einen Konflikt haben und nicht von Angesicht zu Angesicht miteinander reden können? Wie gehe ich damit um, wenn die Sehnsucht überhand nimmt?

In dieser Situation ist es hilfreich, mich mit jemandem auszutauschen, der Ähnliches erlebt hat. Johanna Ruttinger (25) hat die Herausforderung, von ihrem Freund Konrad Moser (24) für längere Zeit getrennt zu sein, bereits zweimal erfolgreich gemeistert und kann deshalb in mancher Frage weiterhelfen. Bald nachdem ihr euch kennengelernt habt, bist du für das Wintersemester 2010 nach Madrid gereist. Wie ging es dir damals?
Johanna: Am Anfang sprach vieles gegen die Beziehung. Ich wollte keinen Freund, weil ich wusste, dass ich weggehen würde und außerdem gerade eine Beziehung beendet hatte. Konrad hat diese Argumente aber nicht akzeptiert und so trafen wir uns weiter und lernten uns besser kennen. Schließlich entschieden wir, es trotzdem zu probieren. Wir waren optimistisch, weil zu diesem Zeitpunkt für uns beide klar war, dass wir es ernst meinen. Als Konrad für ein halbes Jahr nach Kolumbien ging, wart ihr schon länger zusammen. War die Trennung dadurch leichter oder schwieriger?
Es war einfacher, weil wir mehr Zeit hatten, um uns gemeinsam darauf vorzubereiten. Außerdem kannten wir uns schon besser, hatten mehr Vertrauen zueinander und wussten, dass der andere keinen Blödsinn machen würde. Du hast beide Seiten erlebt: Weggehen und Zurückbleiben. Was war für dich herausfordernder?
Für mich war es in Spanien schlimmer. Einerseits natürlich, weil wir so frisch zusammen waren, andererseits, weil ich jeden Tag viel Neues erlebte und damit alleine klar kommen musste. Es war schwierig, wenn ich Konrad nach Besuchen zum Flughafen brachte und wusste, dass ich ihn wieder lange nicht sehen würde. Als er hingegen in Kolumbien war, habe ich es teilweise sogar genossen, dass ich tun und lassen konnte, was ich wollte und mich nicht immer mit ihm absprechen musste. Außerdem hatte ich mehr Zeit für meine Freundschaften. Wenn der andere da ist, kommt das schnell zu kurz, weil die Zweisamkeit wichtiger ist.

Hattet ihr oft Kontakt oder war es wichtig, eigenständig zu bleiben?

Als ich in Spanien war, haben wir
fast jeden Tag geskypt. Es war wichtig zu wissen, was beim Anderen los ist. Das war wegen der Zeitverschiebung schwieriger, als Konrad in Kolumbien war. Aber wenn wir nicht telefonieren konnten, haben wir zumindest Nachrichten geschrieben. Viele Beziehungen zerbrechen an einem Studienaufenthalt im Ausland. Woran liegt es, dass ihr es schon zweimal geschafft habt?
Ich denke, dass es auf den Typ Menschen und auf die Erwartungen ankommt. Natürlich erlebt man ein Auslandssemester als Single anders. Aber für mich war Party nie das Wichtigste. Ich bin mit der Einstellung weggegangen, dass ich viel Kontakt haben möchte und fühlte mich deshalb nie eingeschränkt.

Wie hat eure Beziehung von der Auslandserfahrung profitiert?
Da wir nicht ständig zusammen waren, haben wir in der kurzen gemeinsamen Zeit viel intensiver geredet. Das geht im Alltag oft verloren – man macht die verschiedensten Dinge zusammen und kann sich dabei gar nicht richtig wahrnehmen. Es braucht aber in einer Beziehung diese Zeiten, in denen man wirklich auf den anderen konzentriert ist!

Welche Tipps hast du für Paare, die mit der Situation konfrontiert sind, sich längere Zeit nicht zu sehen?

Ich habe erfahren, dass es wichtig ist, den anderen zu ermutigen, auch wenn man im Moment vielleicht selber zweifelt. Gegenseitiges Vertrauen ist ebenfalls grundlegend – sonst muss man den anderen immer ausfragen und das wird schnell problematisch. Es ist sicher auch gut, im Vorhinein auszumachen, wie der Kontakt sein soll, damit die Erwartungen nicht zu verschieden sind. Das Wichtigste ist jedoch, dass ein Ende in Sicht ist. Ob es nun vier Wochen oder sechs Monate sind – es braucht ein fixes Datum, auf das man sich freuen kann.
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