Salzburg hat ihn jetzt wieder: seinen neuen „Jedermann“. Ein durchaus beeindruckendes farbenprächtiges Spektakel und in vielen Szenen lebendiges Theater haben die Regisseure Julian Crouch und Brian Mertens auf den Domplatz gestellt. Brigitte Hobmeier und Cornelius Obonya führten eine tolle Schauspieler/innenriege an. Doch die Aufführung bleibt gerade an jener Stelle, an der die Vorgänger-Inszenierung von Christian Stückl seine höchste Dichte erreichte – im Dialog des von Reichtum und Freunden verlassenen Jedermann mit seinen armseligen „Guten Werken“ – seltsam blass. Es bleibt Theater – ohne Botschaft! Ohne Botschaft von einem Glauben, der nicht in Formeln und Dogmen, sondern in der Solidarität mit dieser Welt seine Bewährung findet.