Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, würde ich sagen: übertrieben, Zufall, Ausnahme.
Unter Uns
Ausgabe: 2013/30, Unter Uns
24.07.2013
- Brigitta Hasch
Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, würde ich sagen: übertrieben, Zufall, Ausnahme. Aber ich war da, und diese wahre Geschichte ist nicht die einzige dieser Art, die mir zu denken gibt. Folgen Sie mir nach Istrien, ans Meer, in den Urlaub. In einem idyllischen Restaurant genießen mein Mann und ich den Sonnenuntergang und hervorragende Fischgerichte. Neben uns nimmt eine Familie Platz, Vater, Mutter, zwei Kinder. Nach einem kurzen Blick in die Speisekarte holt einer nach dem anderen i-Pod, Smartphone und Spielkonsolen heraus. In der typischen gebückten Haltung – fast möchte ich es als devot bezeichnen – schauen sie wortlos auf ihre Bildschirme und tippseln auf der Tastatur. Der Kellner mit den Getränken holt sie nur kurz aus der digitalen Welt und auch das Essen scheint nicht der Hauptgrund für ihr Verweilen hier zu sein. Zwischen den Bissen wird weiter ins Kastl geschaut. Und nun frage ich mich, warum diese Leute auf Urlaub fahren, dafür ein schönes Land aussuchen und Geld ausgeben. Nicht, dass ich digitale Medien prinzipell ablehne. Als Orientierungshilfe freue ich mich über das Navi im Auto und für meine Erinnerungsfotos verwende ich schon lange keine Zelluloidfilme mehr. Aber ansonsten ist und bleibt mein Urlaub digital-los!