Durch die Band „Cardiac Move“ war Österreich am Weltjugendtag 2013 auf besondere Weise vertreten. Gitarrist Emanuel Gollegger (28) erzählt von seinen Erlebnissen in Brasilien und spricht über die Musik, den Glauben, das Menschsein.
Ausgabe: 2013/32, Musik, WJT, Cardiac Move
06.08.2013
- Interview: Dagmar Giglleitner
Köln, Sydney, Madrid und jetzt Rio de Janeiro: Schon das vierte Mal hattet ihr einen Auftritt bei einem Weltjugendtag. Diese Mal habt ihr vor über einer Million Menschen gespielt! Wie war das für dich? Emanuel: Das Konzert an der Copacabana war wirklich ein Highlight. Zum einen natürlich wegen der Location: die Bühne, daneben das Meer, der Strand … Zum anderen eben wegen dieser Unmenge an Leuten. Der drei Kilometer lange Strand war ganz voll! Es war so beeindruckend, dass ich noch immer dabei bin, das zu verarbeiten.
Zum WJT habt ihr den neuen Song „We Are“ gespielt: Was wird in dem Lied ausdrückt? Es geht um den Menschen, um den ständigen Kampf im Menschsein: Erfolge und Misserfolge, schöne und negative Dinge kommen und gehen. Fakt ist nur, dass wir sind. Das ist ein großartiges Wunder, auch wenn es oft schwer zu akzeptieren ist, wer und wie man ist. Wir nannten den Song bewusst „We Are“ – ohne Zusatz, weil es eine Hommage an das Leben und an den Menschen an sich ist.
Was bleibt dir von Rio 2013 besonders in Erinnerung? Am Morgen bin ich öfters an der Copacabana laufen gewesen. In dieser wunderschönen Atmosphäre hatte ich so eine Freude, da zu sein, Mensch zu sein und die Schöpfung sehen zu dürfen, dass ich Gott den einen oder anderen Jubelschrei entgegengerufen habe. Aber auch die Begegnung mit dem Papst bei der Abschlussmesse: Wie er von der Einheit der Kirche gesprochen hat und wir gemeinsam für die Menschen und vor Gott gebetet haben ... Das war sehr intensiv und hat mich sehr berührt.
Wie unterscheidet sich eine katholische Veranstaltung wie der WJT von einem „normalen“ Konzert? Bei christlichen Events ist es oft nicht so wichtig, wer auf der Bühne steht. Wichtig ist die Gemeinschaft, in der jeder willkommen ist. Ich spüre einen positiveren Geist als bei weltlichen Konzerten. Dort liegt der Fokus eher auf der Musik und dem Kick. Aber das kann man nicht verallgemeinern, weil es in erster Linie darauf ankommt, wie die Menschen sind. Wir selber versuchen eine gute Mitte zu finden: Vielleicht ist es unsere Aufgabe, eine Brücke zwischen zwei verschiedenen Welten zu schaffen.
Wie kommt das bei anderen Musikern an, wenn man oft auf christlichen Events spielt? Auf jeden Fall sind wir öfters als „die Christen-Band“ belächelt worden. Das ändert aber sicher nichts an unserem Weg! Wir würden uns verstecken, wenn wir nicht auf christlichen Events spielen würden. Am Weltjugendtag wäre ich auch ohne die Band gerne gewesen. Ich möchte nicht in eine Schublade gesteckt werden, nur weil wir einen Glauben haben, den andere vielleicht als verstaubt empfinden. Da polarisiere ich auch gerne ein bisschen, weil ich davon überzeugt bin, dass der Glaube für mich und die Band gut und wichtig ist.
Wie lebt ihr den Glauben? Wir haben Zeiten, wo wir ihm bewusst Raum geben. Dann ist es herausfordernd, eine gemeinsame Sprache zu finden, weil wir so unterschiedliche Zugänge haben. Aber wir beten zum Beispiel vor jedem Auftritt gemeinsam und auch sonst, wenn wir Entscheidungen treffen müssen.
Wie stehen für dich Musik und Glaube in Verbindung? Bei mir war der Glaube der Weg zur Musik. Ich habe Gitarre gelernt, um die Lobpreislieder spielen zu können, mit denen ich bei Loretto groß geworden bin. Meine ersten Songs waren solche Lieder und sie liegen mir noch immer am Herzen. Für mich ist Musik ein Ausdruck des starken Gebets.
Musik! Und noch viel mehr...
Die nächste Gelegenheit, Cardiac Move live zu hören, bietet sich am Key2Life-Festival, das von 30. August bis 1. September 2013 in Marchegg (NÖ) stattfindet. Für Emanuel Gollegger ist es „das coolste Festival Österreichs, weil es den idealen Mix aus allem gibt, was man bei einem Festival erleben kann: Super Bands, gute Technik und Sound, Camping im Schlosspark, tolle Workshops und man trifft viele coole Menschen, die noch dazu gläubig sind!“ Die Bands, von denen Emanuel spricht, sind neben Cardiac Move zum Beispiel Abandon (USA), Trip to Dover (NL), Moriah Peters (USA), Good Weather Forecast (D) und viele mehr. In den Workshops gibt es Zeit für Philosophie, für Glaubensfragen und um über das Leben nachzudenken. Verschiedenste Leute geben Impulse, über die im Anschluss diskutiert wird. Aber auch das Gebet hat einen zentralen Platz, ob beim Nightprayer mit einer Band, bei der Messe oder der Anbetung. Und dann gibt es noch eine Open Stage, eine Chill Zone, die Strandbar, die Fun Zone, den Grillplatz ... Worauf wartest du? Hol dir deinen Schlüssel zum Leben! www.key2life.at