Was Papst Franziskus bei seinem Pastoralbesuch in Brasilien gesagt hat, ist alles andere als Lesestoff für den Liegestuhl. Nicht, dass der Satzbau so kompliziert wäre, es ist der Inhalt, der herausfordert. Der Papst wird nicht müde an das Leid zu erinnern, das Menschen zu ertragen haben: Hunger, Flüchtlingselend, kein Geld für den Schulbesuch, Arbeitslosigkeit, Drogen. Niemand muss ein schlechtes Gewissen haben, einen lauen Sommerabend bei einem Gläschen Wein auf der Terrasse zu verbringen anstatt sich mit Papstansprachen zu beschäftigen. Aber vergessen sollte man die Themen nicht, die er immer wieder zur Sprache bringt (siehe Thema Seite 7). Johann Baptist Metz, er gehört zu Deutschlands bedeutendsten Theologen, schlägt in dieselbe Kerbe. Metz mahnt eine christliche Spiritualität ein, die sensibel für das Leid der Menschen ist. Es braucht eine „Mystik der offenen Augen“. Menschen dürften dem Leid der anderen nicht ausweichen. Im Blick auf die kirchliche Tradition meint Metz, dass sie zu einseitig Sünde und Schuld in den Mittelpunkt gestellt hat und oft noch immer stellt. Er ruft auf, sich ein Beispiel an Jesus zu nehmen: „Jesu erster Blick galt nicht der Sünde der anderen, sondern dem Leid der anderen.“