Am 18. Dezember wurde er in die Votivkirche gerufen. Seither hat Klaus Schwertner an der Seite der Flüchtlinge viel erlebt – eigene Grenzen ebenso wie ganz tolle Leute.
Als ihn am 18. Dezember ein persönlicher Anruf der Sekretärin der Votivpfarre erreichte, konnte der damalige Presse sprecher der Wiener Caritas nicht ahnen, in welche Geschichte er damit hineingerät. Eine Gruppe von Flüchtlingen war aus dem Protestcamp in die eiskalte Kirche gewechselt, um dort ihre Aktionen für eine andere Asylpolitik fortzusetzen. „Bis in die frühen Morgenstunden haben wir damals verhandelt, um zu vermitteln und die zunächst ziemlich angespannte Situation zu entschärfen.“ Als einem der ersten Ansprechpartner der Flüchtlinge blieb Klaus Schwertner diese Rolle erhalten. Trotz mancher Rückschläge und Enttäuschungen auf beiden Seiten wuchs das Vertrauen. Aus dem „Erklärer“ der Caritas-Arbeit (Pressemann) wurde immer mehr ein „Täter“, ein in die vielen Geschehnisse und Wendungen Involvierter.
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Nach seinem Studium war der Klosterneuburger als Öffentlichkeitsarbeiter bei der NÖ-Krankenhausholding tätig. Vor fünf Jahren kam der Vater von drei Buben zur Caritas, weil er bei einer Hilfsorganisation „zwar nicht alles verändern kann, aber doch wenigstens etwas ein Stück weit“. Nach viereinhalb Jahren in der Pressearbeit wurde Schwertner heuer im Frühjahr zum Generalsekretär berufen. Seine Bilanz nach den intensiven „Flüchtlingsmonaten“: „Ich habe es satt, wie Asylanten politisch missbraucht werden, rechts wie links. Aber ich habe auch so viele ganz tolle Leute kennengelernt, die still und leise einfach geholfen haben.“