Es war die Zeit (ist sie schon vorbei?), als man Parteigunst brauchte, um einen guten Job zu bekommen. Noch ratsamer war, nicht in Ungunst gefallen zu sein. So ein Ungünstling war ich zum Ende des Studiums, weil ich mich mit anderen zu sehr nonkomform studentenpolitisch engagiert hatte. Mehr als 70 Stellenbewerbungen wurden, wenn es überhaupt zu einer Reaktion kam, nur milde belächelt. Ministerialrat Oswin Martinek, Sektionschef im Sozialministerium, der an der Uni Linz Honorarprofessor für Arbeitsrecht und Sozialrecht war, durchbrach das abweisende Schweigen der Kämmerer und Räte. Er nahm mich, den im „roten“ Ministerium als schwarz (und umgekehrt bei den „Schwarzen“ als rot) Verschrieenen, in seiner Arbeitsrecht-Sektion auf. Martinek war ein liebenswerter Mensch, der seine Weltanschauung als Sozialdemokrat in allen Facetten lebte und nicht in Schwarz-Weiß oder gar in Feindbildern dachte. Er pflegte zu vielen Mitarbeiter/innen ein fast väterliches Verhältnis, war interessiert am Wohlergehen aller in seinem Team. Ihm habe ich viel zu verdanken, auch dass ich wieder glauben konnte, dass es in der Politik doch eine Treue zur Weltanschauung gibt.
Machen Sie mit
Oswin Martinek hat große Verdienste um die Kodifizierung des österreichischen Arbeitsrechtes. – Was wäre für Sie heute ein dringendes arbeitsrechtliches Anliegen? Schreiben Sie uns die Antwort bis 16. August. Wir verlosen ein Buch.
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