Ausgabe: 32/2013, unter uns, textilindustrie, kleidung
07.08.2013
- Dagmar Giglleitner
Vor Kurzem las ich einen Artikel über die Bedingungen der Textilindustrie in Bangladesch. Ich war entsetzt über das, was ich erfuhr, zornig und betroffen, weil mir bewusst war, dass auch ich Teil dieses Systems himmelschreiender Ungerechtigkeit bin. Mich beschäftigte der Artikel so sehr, dass ich an einem heißen Tag am Badesee das Gespräch unweigerlich auf das Thema lenkte. Schnell kam ich in Fahrt und erklärte vor jugendlichem Idealismus sprühend, was meines Erachtens in der Welt verändert werden sollte. Dass vieles derzeit nicht unbedingt optimal ist, fand weitgehend Zustimmung. Aber dass man daran ernsthaft etwas ändern könne? Mildes Lächeln der Erwachsenen: „Ach wie nett, sie ist so jung! Da will man noch die ganze Welt verändern. Aber sie wird sicher auch realistisch werden und sich arrangieren.“ Und dann redet man lieber wieder über unverfängliche Badesee-Themen wie das Wetter oder den Urlaub. Vielleicht haben die Erwachsenen Recht. Vielleicht bin ich jung und unbeschwert und träume deshalb von einer besseren Welt. Aber Träume sind doch keine Frage des Alters! Ich will meinen Idealismus nicht verlieren und gleichgültig werden. Ich glaube, dass Veränderung möglich ist. Nicht von heute auf morgen, aber jeden Tag, in jeder kleinen Entscheidung ein Stück mehr.